Neue Digitalisate bei Matricula vom 04.05.2022: 1 hinzugefügte Pfarreien aus dem Bistum Limburg – Ellar, St. Maximinus, 1817 – 1967

Screenshot der Indexseite für St. Maximinus in Ellar von Matricula (04.05.2022)
Screenshot der Indexseite für St. Maximinus in Ellar von Matricula (04.05.2022)

Für das Kir­chen­buch­por­tal Matri­cu­la wur­den am 4. Mai 2022 33 neue Digi­ta­li­sa­te von der römisch-katho­li­schen Pfar­rei St. Maxi­mi­nus in Ellar aus dem Bis­tum Lim­burg hin­zu­ge­fügt.

Bistum Limburg: Ellar, St. Maximinus (33)

Signa­turMatri­kel­typDatum (1817 – 1967)
Ellar K 1Tau­fen Ellar1838 – 1867
Ellar K 2Tau­fen Ellar1867 – 1906
Ellar K 3Trau­un­gen Ellar1838 – 1873
Ellar K 4Tote Ellar1838 – 1871
Ellar K 5Fir­mun­gen Ellar1822 – 1967
Ellar K 6Tote Ellar1871 – 1966
Ellar Z 1_1Gebo­re­ne Ellar1817 – 1818
Ellar Z 1_2Getrau­te Ellar1817 – 1818
Ellar Z 1_3Gestor­be­ne Ellar1817 – 1824
Ellar Z 1_4Gebo­re­ne Ellar1819
Ellar Z 1_5Getrau­te Ellar1819
Ellar Z 1_6Gestor­be­ne Ellar1819
Ellar Z 1_7Gebo­re­ne Ellar1820
Ellar Z 1_8Getrau­te Ellar1817 – 1824
Ellar Z 1_9Gestor­be­ne Ellar1820
Ellar Z 1_10Gebo­re­ne Ellar1821
Ellar Z 1_11Getrau­te Ellar1821
Ellar Z 1_12Gestor­be­ne Ellar1821
Ellar Z 1_13Gebo­re­ne Ellar1822
Ellar Z 1_14Gestor­be­ne Ellar1822
Ellar Z 1_15Getrau­te Ellar1822
Ellar Z 1_16Gebo­re­ne Ellar1823
Ellar Z 1_17Getrau­te Ellar1823
Ellar Z 1_18Gestor­be­ne Ellar1817 – 1824
Ellar Z 1_19Gebo­re­ne Ellar1824
Ellar Z 1_20Getrau­te Ellar1823
Ellar Z 1_21Gestor­be­ne Ellar1824
Ellar Z 2_1Gebo­re­ne Ellar1818 – 1839
Ellar Z 2_2Getrau­te Ellar1818 – 1839
Ellar Z 2_3Gestor­be­ne Ellar1818 – 1839
Ellar Z 3Gebo­re­ne Ellar1840 – 1874
Ellar Z 4Getrau­te Ellar1840 – 1874
Ellar Z 5Gestor­be­ne Ellar1840 – 1874

Geografische Lage

Lage von Ellar
Lage von Ellar

Ellar (PLZ: 56410) ist ein Orts­teil der Gemein­de Wald­brunn (Wes­ter­wald) im mit­tel­hes­si­schen Land­kreis Lim­burg-Weil­burg mit rund 1300 Ein­woh­nern. Der Ort, dem im Jahr 1372 Stadt­rech­te ver­lie­hen wur­den, ent­wi­ckel­te sich jedoch nie zu einer ech­ten Stadt.

Ellar liegt im süd­li­chen Wes­ter­wald, etwa 18 km nörd­lich von Lim­burg an der Lahn, 14 km west­lich von Weil­burg und 12 km öst­lich von Wes­ter­burg. Die angren­zen­den Orte sind, von Nor­den begin­nend, im Uhr­zei­ger­sinn: Hau­senFus­sin­genLahrHin­ter­mei­lin­gen (alle Gemein­de Wald­brunn) Stein­bach (Stadt Hada­marHan­gen­mei­lin­gen und Dorch­heim (Gemein­de Elb­tal). Ellar liegt im Las­ter­bach­tal, ober­halb von etwa 270 m ü. NN, umge­ben von teil­wei­se bewal­de­ten Basalt­hö­hen­rü­cken. Der Las­ter­bach fließt, von Hau­sen kom­mend, durch den Ort in Rich­tung Dorch­heim; unter­halb von Ellar wird er auch als Stein­bach bezeich­net. Er mün­det bei Dorch­heim in den Elb­bach. Rich­tung Wes­ten ist das Las­ter­bach­tal zum Elb­bach­tal hin geöff­net. Süd­lich von Ellar erstreckt sich der Höhen­rü­cken Hei­den­häus­chen mit den Ber­gen Remelsberg/​Rommelsberg (398 m ü. NN), Spitz­berg (331 m ü. NN) und Mühl­hölz­chen (314 m ü. NN). Öst­lich von Ellar, zwi­schen Hin­ter­mei­lin­gen und Lahr, erstreckt sich ein Höhen­rü­cken bestehend aus den Ber­gen Ober­holz (331,0 m ü. NN), Bühl (303,3 m ü. NN), Stein­kopf (329,8 m ü. NN) und Honig­berg (311,5 m ü. NN).

Geschichtliches

Das fol­gen­de Unter­ka­pi­tel ist ein Aus­zug aus dem zuge­hö­ri­gen Wiki­pe­dia-Arti­kel (sie­he Quel­len). Die­ser Aus­zug wur­de bei Bedarf für eine schnel­le­re Les­bar­keit unter Umstän­den etwas gekürzt und angepasst.

Wappen der früheren Gemeinde Ellar, später von Waldbrunn übernommen; gemeinfrei
Wap­pen der frü­he­ren Gemein­de Ellar, spä­ter von Wald­brunn über­nom­men; gemeinfrei

Die Geschich­te des Ortes ist durch den städ­ti­schen Cha­rak­ter im spä­ten Mit­tel­al­ter und der frü­hen Neu­zeit ver­gleichs­wei­se gut über­lie­fert. Durch die Arbei­ten des Hei­ma­this­to­ri­kers Wal­ter Ruders­dorf (ca. 8.000 Ver­öf­fent­li­chun­gen und 60 Jah­re his­to­ri­sche und lan­des­kund­li­che Vor­trä­ge) ver­fügt Ellar über eine der am bes­ten doku­men­tier­ten Orts­ge­schich­ten im Westerwald.

Der Ort liegt in einem wahr­schein­lich vor­ger­ma­ni­schen Sied­lungs­ge­biet. Bei Bau­ar­bei­ten der Ker­ker­bach­bahn in Fus­sin­gen wur­de eine Grab­ur­ne aus der Zeit um 1000 v. Chr. gefun­den. Am Lin­den­berg bei Hau­sen wur­den Kera­mik­scher­ben aus der Hall­statt­zeit (Stu­fe C) um 700 v. Chris­tus gefun­den. Von der Dorn­burg, dem Hei­den­häus­chen und vor allem dem Nach­bar­ort Lahr sind Fun­de bekannt, die eine kel­ti­sche Besied­lung wäh­rend der La-Tène-Zeit bele­gen. Der Orts­na­me stammt wahr­schein­lich von dem indo­eu­ro­päi­schen Wort „*pelâg/​pelâr“ (zum Sumpf gehö­rend) ab und bezieht sich auf die ehe­mals ver­sumpf­ten Bach­mul­den im Umfeld des Ortes. Die ers­te urkund­li­che Erwäh­nung ist auf das Jahr 807 datiert. Damals schenk­te ein Star­cher in der Allar­her oder All­a­na­her Mar­ka dem Klos­ter Lorsch einen Hof. Die Urkun­de ist nur durch zwei hoch­mit­tel­al­ter­li­che Abschrif­ten erhal­ten, die für den Ort zwei ver­schie­de­ne Schreib­wei­sen ver­wen­den. Die Zuord­nung der Urkun­de ist umstrit­ten. Eini­ge His­to­ri­ker bezie­hen sie auf All­na bei Mar­burg bzw. Aal bei Lahn­stein. Für Ellar spricht, dass die Urkun­de in enger Ver­bin­dung mit Urkun­den über ande­re Orte west­lich von Weil­burg steht. Seit dem 14. Jahr­hun­dert wird die Schreib­wei­se Ellar ver­wen­det, ande­re his­to­risch ver­wen­de­te Schreib­wei­sen sind Eller, Ellair, Ellahr, Ellor, Ellir.

Ellar ist der his­to­ri­sche Zen­tral­ort der Ella­rer Mark und dem aus der Mark her­vor­ge­gan­ge­nen Amt Ellar. Ursprüng­lich umfass­te die Ella­rer Mark wahr­schein­lich die Zen­ten rund um das Hei­den­häus­chen: Lahr, Frick­ho­fen und Nie­der­zeuz­heim. Die Zent Elsoff wur­de dem Amt ver­mut­lich zu einem spä­te­ren Zeit­punkt, vor 1337, ange­glie­dert. Für das Amt Ellar wur­de auch die Bezeich­nung „Vier­zen­ti­sches Amt“ oder „Herr­schaft Vier Zen­te“ ver­wen­det. Ellar gehört inner­halb des Amtes Ellar zur Zent Lahr. Gegen Ende der Karo­lin­ger­zeit gehör­te das Gebiet zum Nie­der­lahn­gau des Her­zog­tum Fran­ken. Sitz des Land­ge­richts für das Amt Ellar war der Remels­berg, Sitz des Zent­ge­rich­tes war der Stein­kopf zwi­schen Lahr und Ellar. Es bestan­den meh­re­re Hub­enge­rich­te in der Zent. Das Zent­ge­richt ging bereits im 13. Jahr­hun­dert an die Graf­schaft Diez. Die Gra­fen von Diez ver­pfän­de­ten das Gebiet mehr­fach, zuletzt 1367; dabei tra­ten sie das Amt Ellar an die Graf­schaft Kat­zeneln­bo­gen ab. Auf Bestre­ben der Gra­fen von Kat­zeneln­bo­gen wur­den Ellar 1372 Lim­bur­ger Stadt­rech­te ver­lie­hen. Nach dem Ende des Erb­fol­ge­streits der Graf­schaft Nas­sau-Hada­mar erhielt das Haus Nas­sau-Dil­len­burg mit dem Schieds­spruch zu Bacha­rach am 28. Juli 1408 ein Drit­tel des Amtes Ellar, der Rest ver­blieb bei der Graf­schaft Kat­zeneln­bo­gen. Mit dem Aus­ster­ben des Hau­ses Kat­zeneln­bo­gen kam es zu einem lang anhal­ten­den Streit zwi­schen den Gra­fen von Nas­sau-Dil­len­burg und der Land­graf­schaft Hes­sen. Die Land­gra­fen ergrif­fen Besitz von dem Kat­zeneln­bo­ge­ner Erbe. Mit dem Frank­fur­ter Ver­trag kam es zu einem Ver­gleich im Kat­zeneln­bo­ge­ner Erb­fol­ge­streit 1557. Das Amt Ellar gehör­te nun zu Nas­sau-Dil­len­burg. Bei der Erb­tei­lung des Hau­ses Nas­sau-Dil­len­burg im Jahr 1607 wur­de das Amt Ellar der neu gegrün­de­ten Graf­schaft Nas­sau-Hada­mar zuge­schla­gen. Die nas­sau­isch-otto­ni­schen Herr­scher blie­ben trotz Resti­tu­ti­ons­edikt im Besitz ihrer Län­der, nach­dem Johann Lud­wig von Nas­sau-Hada­mar 1629 in Wien zur Römisch-katho­li­schen Kon­fes­si­on kon­ver­tiert war. Im Jahr 1650 wur­de die Graf­schaft zum Fürs­ten­tum erhoben.

Ellar lag im Mit­tel­al­ter zwi­schen zwei Hohen Stra­ßen. Öst­lich des Ortes führ­te die Hohe Stra­ße von Mainz über Lim­burg nach Sie­gen vor­bei. Die Stra­ße folg­te bei Ellar der Was­ser­schei­de zwi­schen dem Ker­ker­bach und dem Las­ter­bach. Ver­mut­lich wur­de die­se Stra­ße bereits zur Zeit der Karo­lin­ger als Königs­stra­ße ange­legt. West­lich des Ortes ver­lief die Alte Land­stra­ße durch den Forst­wald. Auch die­se ver­band Lim­burg mit Sie­gen. Am Kno­ten tra­fen die Stra­ßen auf eine Hohe Stra­ße von Frank­furt über Weil­burg nach Köln. Für die Alte Land­stra­ße durch den Forst­wald bestand bei Ellar an der Las­ter­bach­brü­cke der Gadel­hei­mer Müh­le eine Zoll­sta­ti­on. Wahr­schein­lich dien­te die Burg Ellar ursprüng­lich als Stra­ßen­fes­tung für die Fern­stra­ßen. Seit dem Jahr 1590 nutz­te das Haus Nas­sau die­se Stra­ße für eine stän­di­ge Post­li­nie zwi­schen den Resi­den­zen Dil­len­burgHer­born, Hada­mar und Diez. Mit dem Bau der neu­en Main­zer Land­stra­ße (heu­te Bun­des­stra­ße 54) ab 1780 ver­lo­ren die Alt­stra­ßen im Bereich Ellar ihre Bedeu­tung, die Zoll­erhe­bung wur­de ein­ge­stellt. Die Bevöl­ke­rung leb­te über­wie­gend vom Ertrag der Land­wirt­schaft auf den eher kar­gen Böden. Eine wich­ti­ge Rol­le spiel­te über lan­ge Zeit die Schaf­zucht. Die Land­wirt­schaft war seit dem Mit­tel­al­ter in der Drei­fel­der­wirt­schaft orga­ni­siert. Die Lage im Las­ter­bach­tal ermög­lich­te den Bau zahl­rei­cher Müh­len. Bereits 1324 ist mit der Obe­ren Gadel­hei­mer Müh­le die ältes­te Müh­le erwähnt.

Am 10. Juni 1372 erhielt der Ort auf Bestre­ben der Gra­fen von Kat­zeneln­bo­gen durch Kai­ser Karl IV. Lim­bur­ger Stadt­rech­te. Zwei Jah­re spä­ter, Anfang Okto­ber 1374, dran­gen Trup­pen der Stadt Lim­burg in die Stadt Ellar ein und brann­ten sie nie­der. Als Begrün­dung dien­te der Auf­ent­halt der Räu­ber Crae und Bus­se in der Stadt. Auf Bestre­ben der Gra­fen von Kat­zeneln­bo­gen wur­de die Stadt Lim­burg vom Obers­ten Hof­ge­richt zur Zah­lung von 2.000 Mark Wie­der­gut­ma­chung ver­ur­teilt. Da Lim­burg jedoch nur der Gerichts­bar­keit der Stadt Frank­furt unter­stand, wur­de die­ses Urteil nie rechts­kräf­tig voll­zo­gen. Trotz Ver­lei­hung der Stadt­rech­te 1372 konn­te sich Ellar nur zu einer Min­der­stadt ent­wi­ckeln. Vom 15. bis zum 17. Jahr­hun­dert war die Bezeich­nung Fle­cken üblich. Für die Ein­woh­ner war vor allem die Befrei­ung von zahl­rei­chen Steu­ern von Bedeu­tung. Als Zen­tral­ort des Amtes war Ellar Sitz der öffent­li­chen Ver­wal­tung. Die Gra­fen von Kat­zeneln­bo­gen unter­hiel­ten hier ein Amt, eine Kel­le­rei und eine Zoll­schrei­be­rei. Die­se Ein­rich­tun­gen gin­gen auf die Land­graf­schaft Hes­sen über und bestan­den bis 1557. Ab 1435 unter­hiel­ten auch die nas­saui­schen Gra­fen in Ellar ein Amt und eine Kel­le­rei. In der ers­ten Hälf­te des 15. Jahr­hun­derts setz­te eine beschränk­te städ­ti­sche Ent­wick­lung ein. Belegt sind: stei­ner­ne Las­ter­bach­brü­cke (1408), Stadt­mau­er und Tür­me (1413), St. Maxi­mus­ka­pel­le (1419), zwei Stadt­to­re mit Pfört­ner (1428), Jahr­markt (1430), ers­te öffent­li­che Her­ber­ge (1431) und Schmie­de (1462). Inner­halb der Stadt­mau­ern dürf­te etwa für 30 Wohn­häu­ser Platz gewe­sen sein. Für die Jah­re 1512 und 1520 sind meh­re­re Hexen­pro­zes­se belegt; eine unbe­kann­te Zahl Frau­en wur­de hin­ge­rich­tet. Die Gerichts­ak­ten füh­ren aus: „Item hayt man ett­li­che Wyber zu Ellar ver­brannt“. Mit Gre­den, Rörichs Johanns Weib aus Ellar, wur­de 1609 die ein­zi­ge nament­lich bekann­te „Hexe“ hin­ge­rich­tet. Ihr Pro­zess kos­te­te 71 Gul­den 18 1/​2 Albus, die das Opfer bezah­len musste.

Nach der Wie­der­ein­rich­tung der Graf­schaft Nas­sau-Hada­mar wur­de ein umfas­sen­des Saal­buch erstellt. Die Beschrei­bung für Ellar von 1616 hat sich erhal­ten. Es gibt eine Über­sicht über die Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se. Des Wei­te­ren ist in die­ser Beschrei­bung erst­mals das Gemein­de­back­haus erwähnt und die Orga­ni­sa­ti­on des Lösch­we­sens wur­de beschrie­ben. Im Jahr 1614 wüte­te eine Pest­epi­de­mie in Hin­ter­mei­lin­gen, Ellar und Lahr. Im Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg (1618 – 1648) kam das wirt­schaft­li­che Leben zum Erlie­gen. Durch­zie­hen­de Sol­da­ten füg­ten der Bevöl­ke­rung mit ihren Plün­de­run­gen erheb­li­chen Scha­den zu. Die schlech­te Ver­sor­gung führ­te zur Aus­brei­tung von Seu­chen. 1619 plün­der­ten bay­ri­sche und habs­bur­gi­sche Sol­da­ten den Ort. 1622/​23 nah­men die Trup­pen des kai­ser­li­chen Gene­rals Johann t’Serclaes von Til­ly im Wes­ter­wald Win­ter­quar­tier. Im Amt Ellar wur­den hol­stei­ni­sche Trup­pen unter­ge­bracht. Nach ihrem Som­mer­feld­zug kehr­ten sie im Win­ter 1623/​24 zurück. 1627 beset­zen kai­ser­li­che Trup­pen die Graf­schaf­ten Diez, Dil­len­burg und Hada­mar. Unter Füh­rung von Gene­ral Görze­nich plün­der­ten die Sol­da­ten das Gebiet sys­te­ma­tisch aus. Ein Not­bünd­nis der Gra­fen ver­trieb Görze­nich aus der Regi­on. Unter der hun­gern­den Bevöl­ke­rung wüte­te 1627 die Pest. 1628/​29 plün­der­ten Sol­da­ten des Her­zog­tums Sach­sen-Lau­en­burg, deren Haupt­quar­tier sich in Run­kel befand, die Orte des Amt Ellar aus. 1632/​33 kam es zu star­ken Ver­hee­run­gen durch schwe­di­sche Trup­pen. Die Sol­da­ten raub­ten sämt­li­che Pfer­de und das gesam­te Groß­vieh. Som­mer 1634 waren Plün­de­run­gen durch hes­si­sche Trup­pen unter Gene­ral Peter Melan­der zu ver­zeich­nen, im Herbst des Jah­res wur­de der Ort von spa­ni­schen Trup­pen geplün­dert. 1635 beset­zen spa­nisch-kai­ser­li­che Trup­pen unter Phil­ipp von Mans­feld die Regi­on. Das Haupt­quar­tier befand sich in Nie­der­zeuz­heim. Bei Plün­de­run­gen wur­de das seit 1491 ver­wen­de­te Gerichts­sie­gel geraubt. In den fol­gen­den Jah­ren wur­de das Amt Ellar von Hada­mar aus ver­wal­tet; in Ellar war kriegs­be­dingt die ordent­li­che Ver­wal­tung und Gerichts­bar­keit nicht mehr mög­lich. Im Jahr 1636 durch­quer­ten kai­ser­li­che und schwe­di­sche Ver­bän­de den Ort, infol­ge der Kriegs­wir­ren brach erneut die Pest unter der Not lei­den­den Bevöl­ke­rung aus. 1638 waren wie­der kai­ser­li­che Trup­pen im Ort. 1640 nah­men die schwe­di­schen Trup­pen im Amt Ellar Quar­tier. Auf einen Ein­woh­ner kamen zwei Sol­da­ten. Bei Plün­de­run­gen brach ein Feu­er aus, bei dem der größ­te Teil des Ortes Ellar ver­brann­te. 1646 wur­de der Ort erneut von kai­ser­li­chen Trup­pen geplündert.

Wäh­rend des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges tra­ten drei Ein­woh­ner aus Ellar als Sol­da­ten in den schwe­di­schen Dienst. Infol­ge der Zer­stö­rung wur­de der Ort wie­der als Dorf bezeich­net. 1679 hat­te Ellar noch nicht die Ein­woh­ner­zahl erreicht wie vor Beginn des Krie­ges. Das Dorf behielt jedoch bis ins 19. Jahr­hun­dert die städ­ti­schen Steuerprivilegien.

Nach dem Aus­ster­ben des Hau­ses Nas­sau-Hada­mar 1711 wur­de das Fürs­ten­tum mehr­fach zwi­schen den übri­gen otto­ni­schen Lini­en des Hau­ses Nas­sau geteilt. Von die­ser Tei­lung war auch das Amt Ellar betrof­fen. Die bei­den Zen­ten Frick­ho­fen und Lahr wur­den mit dem Amt Men­gers­kir­chen zum kom­bi­nier­ten Amt Men­gers­kir­chen-Ellar mit Sitz in Men­gers­kir­chen zusam­men­ge­fasst. Ellar fiel 1717 an das Haus Nas­sau-Dil­len­burg, ab 1739 an das Haus Nas­sau-Diez, 1742/​43 an das Haus Nas­sau-Sie­gen (Katho­lisch) und 1743 aber­mals an Nas­sau-Diez (Ora­ni­en-Nas­sau) als letz­te otto­ni­sche Linie. Bei einer Ver­wal­tungs­re­form der ora­nisch-nas­saui­schen Gebie­te in Deutsch­land wur­de das Amt Ellar mit Dienst­sitz Ellar 1790 wie­der­her­ge­stellt. 1806 wur­de Ellar in das Groß­her­zog­tum Berg ein­ge­glie­dert. Der Ort gehör­te zur Mai­rie Lahr im Can­ton Hada­mar. Die­ser gehör­te zum Arron­dis­se­ment Dil­len­burg und damit zum Dépar­te­ment Sieg. Nach der Nie­der­la­ge von Napo­lé­on Bona­par­te in der Völ­ker­schlacht bei Leip­zig wur­de die ora­nisch-nas­saui­sche Lan­des­ho­heit 1813 wie­der­her­ge­stellt. Das Haus Ora­ni­en-Nas­sau tausch­te sei­nen Besitz auf dem Wes­ter­wald jedoch schon auf dem Wie­ner Kon­gress 1815 mit dem König­reich Preu­ßen gegen Luxem­burg. Das König­reich Preu­ßen über­gab noch am sel­ben Tag das Gebiet an das Her­zog­tum Nas­sau im Aus­tausch gegen Gebie­te um Wetz­lar und Koblenz. Bei der Neu­glie­de­rung der Ämter im Her­zog­tum Nas­sau zum 1. Juli 1816 wur­de das Amt Ellar mit dem Amt Hada­mar ver­ei­nigt. Dienst­sitz wur­de Hadamar.

Nach der Anne­xi­on des Her­zog­tums Nas­sau gehör­te der Ort ab 1866 wie­der zum König­reich Preu­ßen und dort zur Pro­vinz Hes­sen-Nas­sau und zum Regie­rungs­be­zirk Wies­ba­den. Im Jahr 1866 wur­de durch die preu­ßi­sche Kreis- und Pro­vin­zi­al­ord­nung die nas­saui­sche Ämter­tei­lung auf­ge­ho­ben. Ellar gehör­te zum Ober­lahn­kreis und ab 1886 zum neu gegrün­de­ten Kreis Lim­burg. 1945 wur­de der Ort der US-ame­ri­ka­ni­schen Besat­zungs­zo­ne zuge­teilt und damit wur­de er Teil Hes­sens; er gehör­te zum Regie­rungs­be­zirk Wies­ba­den. Mit des­sen Auf­lö­sung 1968 wur­de er Teil des Regie­rungs­be­zirks Darm­stadt und 1981 Teil des Regie­rungs­be­zirks Gie­ßen. 1974 wur­de der Ort schließ­lich Teil des neu geschaf­fe­nen Land­krei­ses Lim­burg-Weil­burg.

Christliche Kirche

Der Ort gehör­te zur Urpfar­rei Lahr. Ellar ver­füg­te über eine goti­sche Kapel­le (Erst­erwäh­nung 1419), die dem hei­li­gen Maxi­mi­nus, Bischof von Trier, geweiht war. Maxi­mi­nus war zugleich Schutz­hei­li­ger des Land­ge­richt Ellar. An der Kapel­le ver­sah im aus­ge­hen­den Mit­tel­al­ter ein dem Pfar­rer von Lahr unter­stell­ter Kaplan sei­nen Dienst. Ab 1536 setz­te die Refor­ma­ti­on in der Graf­schaft Nas­sau-Dil­len­burg ein. Die Gra­fen von Dil­len­burg schrie­ben den luthe­ri­schen Glau­ben vor. Um 1557 trat der Lan­des­herr Johann VI. von Nas­sau-Dil­len­burg zum Cal­vi­nis­mus über, was zu einem erneu­ten Wech­sel der Reli­gi­on führ­te. Am 1. April 1576 wur­de Eber­hard Arto­pae­us Pfar­rer in Lahr. Anfangs Luthe­ra­ner wur­de er spä­ter ein über­zeug­ter Cal­vi­nist und die zen­tra­le Per­son der Refor­ma­ti­on im Kirch­spiel Lahr. Als Schul­in­spek­tor wirk­te er über die Gren­zen sei­ner Pfar­rei hin­aus. Arto­pae­us grün­de­te 1582 die Kirch­spiel­schu­le in Lahr. In dem Gebäu­de bei der Kir­che wur­de für alle Kin­der aus dem Kirch­spiel Unter­richt im Win­ter­halb­jahr abge­hal­ten. Für die Kin­der aus Ellar bedeu­te­te dies einen Schul­weg von ca. 50 Minu­ten. Mit der Rück­kehr zum Katho­li­zis­mus durch Johann Lud­wig von Nas­sau-Hada­mar 1630 ließ Eber­hard Arto­pae­us sich im 88. Lebens­jahr nach 54 Jah­ren Dienst­zeit pen­sio­nie­ren. Mit der Durch­füh­rung der Reka­tho­li­sie­rung wur­den die Jesui­ten beauftragt.

Nach dem Aus­ster­ben der Fürs­ten von Nas­sau-Hada­mar wur­den die Ein­woh­ner von Ellar Unter­ta­nen der cal­vi­nis­ti­schen Fürs­ten aus ande­ren nas­saui­schen Fami­li­en­zwei­gen. Beson­ders Fürst Wil­helm IV. von Nas­sau-Diez woll­te den Cal­vi­nis­mus ab 1743 ver­stärkt för­dern. Die katho­li­schen Ein­woh­ner ver­wei­ger­ten sich dem erneu­ten Reli­gi­ons­wech­sel. Sie umgin­gen das Tauf­ver­bot, indem die Kin­der im nahen Aus­land getauft wur­den. 1743 wur­de in Ellar ein eige­ner Schul­be­trieb ein­ge­rich­tet. Wie die Schu­le in Lahr war es eine rei­ne Win­ter­schu­le, die eben­falls der Auf­sicht des Pfar­rers von Lahr unter­stand. Mit der Schul­re­form im Groß­her­zog­tum Berg 1810 wur­de die Schu­le in die Trä­ger­schaft der Zivil­ge­mein­de über­ge­ben und ein ganz­jäh­ri­ger Schul­be­trieb ein­ge­rich­tet. Ab 1833 begann die schritt­wei­se Lösung der katho­li­schen Ella­rer Gemein­de von der Pfar­rei Lahr. Zu Beginn wur­de eine gemein­sa­me Expo­si­tur mit Hau­sen errich­tet. Sitz des Kaplans wur­de Ellar. 1838 folg­te die Aus­wei­sung eines eige­nen Fried­hofs für Ellar, so dass Beer­di­gun­gen nicht mehr in Lahr erfol­gen muss­ten. 1839 wur­de die Expo­si­tur zu einer eigen­stän­di­gen Pfar­rei erho­ben. Bis zur Fer­tig­stel­lung der Ella­rer St. Maxi­mi­nus Kir­che 1844 wur­den die Got­tes­diens­te in der Hau­ser Kapel­le abge­hal­ten, danach wur­den sie nach Ellar ver­legt. Die Frei­heits­be­we­gung des Jah­res 1848 hat­te zur Fol­ge, dass die Ella­rer Katho­li­ken wie­der vie­le Jahr­zehn­te zur Wall­fahrts­ka­pel­le Maria Hilf Bese­lich pil­ger­ten und dort ein­drucks­voll ihren Glau­ben kundgaben.

Im Jahr 1908 bau­te die Kir­chen­ge­mein­de Ellar ein neu­es Pfarr­haus. Die­ses wur­de im Febru­ar 2009 vom Hes­si­schen Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge aus geschicht­li­chen und künst­le­ri­schen Grün­den unter Denk­mal­schutz gestellt. Drei Jah­re spä­ter grün­de­ten die Dern­ba­cher Schwes­tern in Ellar eine Nie­der­las­sung. Bereits im Jahr der Grün­dung rich­te­te der Orden am 18. Juni in Ellar einen Kin­der­gar­ten ein. Die Nie­der­las­sung der Dern­ba­cher Schwes­tern muss­te 1972 wegen Nach­wuchs­man­gel schlie­ßen. Mit der Grün­dung der Pfar­rei Hau­sen-Fus­sin­gen 1919 wur­de Hau­sen von der Pfar­rei Ellar-Hau­sen abge­trennt; dies hat­te zur Fol­ge, dass die Pfar­rei nur noch den Ort Ellar umfass­te. Mit der Macht­über­nah­me der Natio­nal­so­zia­lis­ten kam es Ein­schnit­ten im reli­giö­sen Leben. Die katho­li­schen Orga­ni­sa­tio­nen wur­den am 25. Novem­ber 1937 ver­bo­ten. Nach dem Zwei­ten Welt­krieg wur­den die katho­li­schen Orga­ni­sa­tio­nen wie­der auf­ge­baut. Am 1. Sep­tem­ber 2005 wur­den die katho­li­schen Pfar­rei­en Lahr (mit Hin­ter­mei­lin­gen), Hau­sen-Fus­sin­gen und Ellar zum Pas­to­ra­len Raum Wald­brunn zusam­men­ge­legt. Zum 1. Janu­ar 2020 gin­gen die­se Pfar­rei­en in der neu­en Groß­pfar­rei „St. Bla­si­us im Wes­ter­wald“ auf.

Jüdische Gemeinde

Für das Jahr 1635 sind erst­mals in Ellar woh­nen­de Juden belegt. Wäh­rend der Wie­der­auf­bau­pha­se nach dem Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg stieg ihre Anzahl und reich­te für die Grün­dung eines Min­jan. 1717 wur­de die jüdi­sche Gemein­de in Ellar gegrün­det. Ihre Mit­glie­der stamm­ten aus Ellar, Lahr, Frick­ho­fen, Hau­sen, Wald­ern­bach und Lan­gen­dern­bach. Die Gemein­de erbau­te in Ellar eine Syn­ago­ge, eine Schu­le und den jüdi­schen Fried­hof. Die jüdi­schen Fami­li­en durf­ten kein Land besit­zen und waren meis­tens als Vieh­händ­ler oder Krä­mer tätig.

Zwi­schen 1823 und 1913 gelang es der Gemein­de, einen eige­nen Reli­gi­ons­leh­rer für die Kin­der anzu­stel­len. Die­ser muss­te in Ellar, Hau­sen, Lahr, Frick­ho­fen und in der Nach­bar­ge­mein­de Rei­chen­born unter­rich­ten. 1843 hat­te die jüdi­sche Gemein­de Ellar ins­ge­samt 124 Mit­glie­der. Immer wie­der ver­such­ten Gemein­de­mit­glie­der aus ande­ren Orten, eigen­stän­di­ge Gemein­den zu errich­ten. Die­se Bestre­bun­gen schei­ter­ten zunächst an den begrenz­ten finan­zi­el­len Ver­hält­nis­sen. Zudem ver­bot die nas­saui­sche Regie­rung die „Win­kel­got­tes­diens­te“ in Frick­ho­fen, Lan­gen­dern­bach und Lahr. Im Jahr 1885 gelang den jüdi­schen Ein­woh­nern von Frick­ho­fen und Lan­gen­dern­bach die Grün­dung einer eige­nen Gemein­de. Bis 1913 nutz­ten die­se jedoch noch den Fried­hof in Ellar.

Wäh­rend der Welt­wirt­schafts­kri­se in den spä­ten 1920er Jah­ren ver­zog ein Groß­teil der jüdi­schen Bevöl­ke­rung in die Städ­te. Von den 29 Gemein­de­mit­glie­dern des Jah­res 1912 leb­ten 1927 nur noch 17 im Ort. Bis 1938 war ihre Zahl auf drei Fami­li­en gesun­ken. Am 11. Novem­ber 1938 wur­den wäh­rend der Reichs­po­grom­nacht die Syn­ago­ge in Ellar ver­wüs­tet und meh­re­re jüdi­sche Geschäf­te und Haus­hal­te geplün­dert. Die Mit­glie­der der jüdi­schen Gemein­de wur­den kör­per­lich schwer miss­han­delt. Anschlie­ßend wur­den eini­ge Per­so­nen, dar­un­ter ein Christ, der zwei Juden gehol­fen hat­te sich zu ver­ste­cken, in „Schutz­haft“ genom­men. In den fol­gen­den Wochen ver­lie­ßen die letz­ten jüdi­schen Fami­li­en Ellar. Meh­re­re Mit­glie­der die­ser Fami­li­en wur­den in Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern umge­bracht. Das Gebäu­de der schwer beschä­dig­ten Syn­ago­ge wur­de von einem staat­lich bestell­ten Treu­hän­der als wert­los ein­ge­stuft und an die Nach­barn verschenkt.

Wei­ter­füh­ren­de Quellen

Für das Titel­bild wur­de ver­wen­det: Screen­shot der Index­sei­te für St. Maxi­mi­nus in Ellar von Matri­cu­la (04.05.2022)

Michael de Radobýl

Ahnenforscher seit 2010, Nachwuchsförderer seit 2014, Projektgründer seit 2015, Relauchner seit 2019, nobilis arbiter honorarius medium seit 2020.Die Spuren meiner Ahnen lassen sich über verschiedene Gebiete in Ost- und Westeuropa zurückverfolgen. Mütterlicherseits habe ich Vorfahren aus Sachsen, Hessen, Wittgenstein, Preußen, durch Zuwanderer aus der Schweiz und Südtirol, sowie aus dem Adel bis ins frühe 6. Jahrhundert in verschiedene Teilen Westeuropas. Väterlicherseits kommen meine Vorfahren aus Sachsen, Brandenburg und durch erste Hinweise auch aus Böhmen und dem sorbischen Bereich. Viele Ahnenzweige väterlicherseits sind allerdings noch unerforscht.

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