Neue Digitalisate bei Matricula vom 14.01.2022: 1 hinzugefügte Pfarrei aus dem Erzbistum Paderborn – Brilon, St. Petrus und Andreas, 1633 – 1947

Screenshot der Indexseite für St. Petrus und Andreas in Brilon von Matricula (14.01.2022)
Screenshot der Indexseite für St. Petrus und Andreas in Brilon von Matricula (14.01.2022)

Für das Kir­chen­buch­por­tal Matri­cu­la wur­den am 14. Janu­ar 2022 86 neue Digi­ta­li­sa­te von der römisch-katho­li­schen Pfar­rei St. Petrus und Andre­as in Bri­lon aus dem Erz­bis­tum Pader­born hinzugefügt.

Erzbistum Paderborn: Brilon, St. Petrus und Andreas

Signa­turMatri­kel­typDatum (1633 – 1947)
KB001b-01‑NNoti­zen
KB001b-02-RtNamens­re­gis­ter Taufen1633 – 1656
KB001b-03‑UUmschlag1633 – 1656
KB002b-01-RMthsNamens­re­gis­ter Tau­fen, Trau­un­gen, Sterbefälle1652 – 1678
KB002b-02‑UUmschlag1652 – 1678
KB003b-01-RMthsNamens­re­gis­ter Tau­fen, Trau­un­gen, Sterbefälle1678 – 1700
KB003b-02‑UUmschlag1678 – 1700
KB004b-01-RtNamens­re­gis­ter Taufen1701 – 1720
KB004b-02-RsNamens­re­gis­ter Sterbefälle1701 – 1720
KB004b-03-RhNamens­re­gis­ter Trauungen1701 – 1720
KB004b-04-RhNamens­re­gis­ter Trauungen1701 – 1720
KB004b-05‑UUmschlag1701 – 1720
KB005b-01‑NNoti­zen
KB005b-02-RMthsNamens­re­gis­ter Tau­fen, Trau­un­gen, Sterbefälle1721 – 1739
KB005b-03‑UUmschlag1721 – 1739
KB006­b1-01‑NNoti­zen
KB006­b1-02-RMthsNamens­re­gis­ter Tau­fen, Trau­un­gen, Sterbefälle1739 – 1778
KB006­b1-03‑UUmschlag1739 – 1778
KB006­b2-01-RMthsNamens­re­gis­ter Tau­fen, Trau­un­gen, Sterbefälle1739 – 1778
KB006­b2-02‑UUmschlag1739 – 1778
KB008-01‑NNoti­zen1779 – 1833
KB008-02‑TTau­fen1779 – 1807
KB008-03-RtNamens­re­gis­ter Taufen1779 – 1807
KB008-04‑UUmschlag1779 – 1807
KB009-01‑NNoti­zen1779 – 1779
KB009-02‑HTrau­un­gen1779 – 1807
KB009-03‑UUmschlag1779 – 1807
KB011-01‑NNoti­zen1814 – 1844
KB011-02‑TTau­fen1808 – 1819
KB011-03-RtNamens­re­gis­ter Taufen1808 – 1819
KB011-04‑UUmschlag1808 – 1819
KB012-01-RtNamens­re­gis­ter Taufen1819 – 1826
KB012-02‑TTau­fen1819 – 1826
KB012-03‑UUmschlag1819 – 1826
KB015-01‑NNoti­zen1826 – 1826
KB015-02‑TTau­fen1826 – 1847
KB015-03-RtNamens­re­gis­ter Taufen1826 – 1847
KB015-04‑UUmschlag1826 – 1847
KB016-01‑HTrau­un­gen1826 – 1854
KB016-02-RhNamens­re­gis­ter Trauungen1826 – 1854
KB016-03‑UUmschlag1826 – 1854
KB017-01‑SSter­be­fäl­le1827 – 1846
KB017-02-RsNamens­re­gis­ter Sterbefälle1827 – 1846
KB017-03‑UUmschlag1827 – 1846
KB018-01‑TTau­fen1848 – 1874
KB018-02-RtNamens­re­gis­ter Taufen1848 – 1874
KB018-04‑UUmschlag1848 – 1874
KB019-01‑TTau­fen1874 – 1900
KB019-02-RtNamens­re­gis­ter Taufen1874 – 1900
KB019-04‑UUmschlag1874 – 1900
KB020-01‑HTrau­un­gen1855 – 1928
KB020-02-RhNamens­re­gis­ter Trauungen1855 – 1928
KB020-04‑UUmschlag1855 – 1928
KB021-01‑SSter­be­fäl­le1846 – 1878
KB021-02-RsNamens­re­gis­ter Sterbefälle1846 – 1878
KB021-03‑UUmschlag1846 – 1878
KB022-01‑TTau­fen1874 – 1874
KB022-02-RtNamens­re­gis­ter Taufen1874 – 1874
KB022-03‑UUmschlag1874 – 1874
KB023-01‑HTrau­un­gen1874 – 1931
KB023-02-RhNamens­re­gis­ter Trauungen1874 – 1931
KB023-04‑UUmschlag1874 – 1931
KB024-01‑EErst­kom­mu­ni­on1847 – 1908
KB024-02‑EErst­kom­mu­ni­on1847 – 1853
KB024-04‑UUmschlag1847 – 1908
KB025-01‑FFir­mung1861 – 1910
KB025-02‑UUmschlag1861 – 1910
KB026-01‑SSter­be­fäl­le1878 – 1906
KB026-02-RsNamens­re­gis­ter Sterbefälle1878 – 1906
KB026-04‑UUmschlag1878 – 1906
KB027-01‑TTau­fen1901 – 1915
KB027-02-RtNamens­re­gis­ter Taufen1901 – 1915
KB027-04‑UUmschlag1901 – 1915
KB028-01‑SSter­be­fäl­le1887 – 1903
KB028-02‑UUmschlag1887 – 1903
KB029-01‑SSter­be­fäl­le1904 – 1923
KB029-03‑UUmschlag1904 – 1923
KB030-01‑EErst­kom­mu­ni­on1909 – 1940
KB030-03‑UUmschlag1909 – 1940
KB031-01‑FFir­mung1915 – 1931
KB031-03‑UUmschlag1915 – 1931
KB032-01‑VVer­lo­bun­gen1908 – 1927
KB032-03‑UUmschlag1908 – 1927
KB033-01‑SSter­be­fäl­le1907 – 1947
KB033-02-RsNamens­re­gis­ter Sterbefälle1907 – 1947
KB033-04‑UUmschlag1907 – 1947

Geografische Lage

Bri­lon [ˈbʁiːlɔn] (PLZ: 59929) ist eine Stadt im öst­li­chen Sauer­land. Mit 25.336 Ein­woh­nern hat sie die Grö­ße einer Mit­tel­stadt und gehört dem Hoch­sauer­land­kreis im Osten des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len an. Die Stadt ist staat­lich aner­kann­tes Kneipp-Heil­bad. Mit 77,5 km² Stadt­wald gehört Bri­lon zu den Städ­ten mit dem größ­ten kom­mu­na­len Wald­be­sitz in Deutschland.

Die Stadt Bri­lon besteht seit der kom­mu­na­len Neu­glie­de­rung aus 17 Orts­tei­len. Aus den 14 ehe­mals selb­stän­di­gen Gemein­den und den schon vor­her zu Bri­lon gehö­ren­den Orten Peters­born-Guden­ha­gen und Bri­lon-Wald wur­den 16 Ort­schaf­ten gemäß der Gemein­de­ord­nung für das Land Nord­rhein-West­fa­len gebil­det. Die­se wäh­len je einen Orts­vor­ste­her. Die Ort­schaf­ten bil­den klar von­ein­an­der abge­grenz­te Orts­la­gen mit meist dörf­li­chem Cha­rak­ter. Die fol­gen­de Tabel­le zeigt die Stadtgliederung:

Kernstadt/​
Orts­teil
Flä­che
in km²
Bevöl­ke­rung
zum 31. Dez. 2013
Alme35,581.836
Alten­bü­ren13,841.321
Bont­kir­chen5,58517
Bri­lon (Kern­stadt)14.336
Bri­lon-Wald539
Ess­hoff0,6678
Guden­ha­gen-Peters­born1.251
Hop­pe­cke7,181.189
Mad­feld14,681.265
Mes­sing­hau­sen9,41798
Neh­den4,37497
Rad­ling­hau­sen2,88134
Rixen2,52125
Rösen­beck10,46791
Schar­fen­berg13,481.437
Thü­len8,451.067
Wülf­te2,59401
Gesamt­stadt228,9827.582

Geschichtliches

Das fol­gen­de Unter­ka­pi­tel ist ein Aus­zug aus dem zuge­hö­ri­gen Wiki­pe­dia-Arti­kel (sie­he Quel­len). Die­ser Aus­zug wur­de bei Bedarf für eine schnel­le­re Les­bar­keit unter Umstän­den etwas gekürzt und angepasst.

Wappen der Stadt Brilon; gemeinfrei
Wap­pen der Stadt Bri­lon; gemeinfrei

Die Bri­lo­ner Hoch­flä­che war schon sehr früh besie­delt. Zahl­rei­che Fund­stel­len des Meso- und Neo­li­thi­kums sind bekannt. Der Bron­ze­zeit sind meh­re­re Grab­hü­gel in der Umge­bung Bri­lons zuzu­ord­nen. Eisen­zeit­li­che Fun­de wur­den bei Thü­len (1939, gedreh­ter bron­ze­ner Hals­ring), am Kass­bach nahe dem Der­ker­stein (Ton­scher­ben, ver­zie­gel­ter Lehm, Spinn­wir­tel, Feu­er­stel­len), in einer Höh­le bei Rösen­beck (Ton­scher­ben) gemacht. Nur die Fun­de vom Der­ker­stein wei­sen auf fes­te Bau­ten einer eisen­zeit­li­chen Sied­lung hin und damit auf die ers­te stän­di­ge Sied­lung auf der Bri­lo­ner Hoch­flä­che. Ver­gleich­ba­re Spu­ren einer Sied­lung der römi­schen Kai­ser­zeit fan­den sich an der Fül­sen­be­cke. Ende des 1. Jahr­hun­derts n. Chr. wur­de im Bri­lo­ner Raum unter ande­rem Blei, Gal­mei, Eisen und Kalk­spat abge­baut. Belegt wird das vor allem durch Fun­de von klei­nen Bleibar­ren zum Bei­spiel bei Alten­bü­ren. Ein Betrieb der Berg­wer­ke durch römi­sche Unter­neh­mer ist nicht zu bele­gen. Ange­nom­men wur­de dies auf­grund eines Fun­des im Rho­ne­del­ta, bei dem auf einem Schiffs­wrack Bleibar­ren mit dem Her­stel­ler­auf­druck „plumb.germ.“, also „plum­bum ger­ma­ni­cum“ (das heißt Blei aus Ger­ma­ni­en), gebor­gen wur­den. Aus der Iso­to­pen­zu­sam­men­set­zung konn­te es jedoch nicht ein­deu­tig zuge­ord­net wer­den; das Her­kunfts­ge­biet Bri­lon und Umge­bung ist neben der Eifel ledig­lich eine Möglichkeit.

Die ers­te urkund­li­che Erwäh­nung stammt von Kai­ser Otto II. 973 bestä­tig­te er dem Erz­stift Mag­de­burg alle von sei­nem Vater ver­lie­he­nen west­fä­li­schen Besit­zun­gen, dar­un­ter die „Vil­la Bri­lon“. Bei die­ser Erwäh­nung han­delt es sich frei­lich um eine wesent­lich älte­re Sied­lung, wahr­schein­lich das heu­ti­ge Alten­bri­lon. Spä­ter gelang­te durch Tausch der Bri­lo­ner Besitz an die Pader­bor­ner Kir­che, die damit ihre Vög­te belieh. Wei­te­re urkund­lich beleg­te Orts­nen­nun­gen sind Bri­lo, Bry­lon, Bru­le, Bri­l­oin, Brie­lon und Brig­lon,

Um 1220 erwarb der Köl­ner Erz­bi­schof Engel­bert die Bri­lo­ner Gemar­kung von den Brü­dern Her­mann und Ger­nand von Bri­lon. Erz­bi­schof Engel­bert leg­te eine befes­tig­te Stadt mit einer Ring­mau­er an und ver­lieh ihr die Stadt­rech­te. Die ursprüng­li­che Stadt­grö­ße lag bei etwa 32 Hekt­ar. In blu­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen Engel­bert und der Pader­bor­ner Kir­che wur­de um die Besitz­rech­te an Bri­lon gestrit­ten. Die­se ende­ten mit der Gefan­gen­nah­me des Pader­bor­ner Bischofs Simon I. wäh­rend der Schlacht auf dem Wülfe­richs­kamp im Jah­re 1254 und des­sen Ver­zicht auf sei­ne Bri­lo­ner Ansprü­che (1256). Die­se Aus­ein­an­der­set­zung wur­de ver­mut­lich haupt­säch­lich aus wirt­schaft­li­chem Inter­es­se geführt; es ging um die Boden­schät­ze Blei, Eisen, Sil­ber und Gal­mei, die im Bri­lo­ner Raum abge­baut und ver­hüt­tet wurden.

Die Stadt erhielt 1252 das Pri­vi­leg der Unab­hän­gig­keit vom Frei­ge­richt, auch Feme genannt. Nach einer Erneue­rung im Jahr 1272 wur­de das Recht 1302 unter der Bezeich­nung „Pri­vi­le­gi­um de non evo­can­do“ von Erz­bi­schof Wig­bold wegen der Unsi­cher­heit der Wege durch Krie­ge noch ein­mal erneu­ert. Bri­lon unter­hielt von 1256 bis 1304 eine eige­ne Mün­ze. Die Bri­lo­ner Kauf­leu­te erhiel­ten 1289 ein eige­nes Sta­tut. Erz­bi­schof Sieg­fried von Köln sag­te den Bri­lo­ner Bür­gern 1294 im Gegen­zug für geleis­te­te Hil­fe an sei­ner Burg Alten­fels (cas­tri nos­tri Alde­nu­els) zu, ihnen von dort nie­mals Scha­den zuzu­fü­gen oder ent­stan­de­nen Scha­den inner­halb von acht Tagen zu ersetzen.

Erst­mals wur­de 1297 ein Arzt in Bri­lon in einer latei­ni­schen Urkun­de erwähnt. Bür­ger­meis­ter und Rat bekun­de­ten am 19. Febru­ar, der Mit­bür­ger Johan­nes, genannt Jude, Arzt in Bri­lon, Sohn des Arz­tes Johan­nes in Soest (… Johan­nes dic­tus Judae­us medi­cus nos­ter coo­pi­da­nus fili­us quon­dam Johan­nis medi­ci de Sus­a­to …), ver­zich­tet auf gewis­se Grund­stü­cke und über­lässt sie dem Klos­ter Wel­ver als Eigen­tum. Der Bri­lo­ner Bür­ger Gott­fried von Ver­ne­ken­bro­ke d. Ä. stif­te­te am 24. Okto­ber 1313 ein Hos­pi­tal in der Dercker Stra­ße zwi­schen dem Haus des Hans Hude­koills und der Scheu­ne des Hen­rick Sem­me­de. Außer­dem stif­te­te er ver­schie­de­ne auch zehnt­freie Grund­stü­cke. Die Ver­wal­tung oblag dem Bri­lo­ner Ple­ban Chris­ti­an Fül­lingh und des­sen Nach­fol­gern im Amt. Nota­ri­ell beur­kun­det wur­de die Stif­tung von Johan­nes Euse­bi­us Evens­by de Bri­lon, einem Kle­ri­ker der Köl­ner Diö­ze­se. Erz­bi­schof Hein­rich von Köln wies 1323 den Bri­lo­ner Ple­ban an, zur Ver­mei­dung von Seu­chen künf­tig den Fried­hof der Kapel­le von St. Niko­lai zu nut­zen. Das Inter­dikt für Kapel­le und Fried­hof lös­te er auf. Das Hos­pi­tal des Hei­li­gen Geis­tes war eine wohl­tä­ti­ge Ein­rich­tung in der Stadt. Es wur­de 1384 am Ort des heu­ti­gen Hau­ses Höve­ner gegrün­det. Die Jako­bus­bru­der­schaft grün­de­te sich 1431 in Bri­lon; sie betreu­te das Hos­pi­tal des Hei­li­gen Geis­tes am Markt.

Um erfolg­reich Fern- und Groß­han­del betrei­ben zu kön­nen, war eine Mit­glied­schaft in der Han­se not­wen­dig. Das genaue Bei­tritts­da­tum Bri­lons ist nicht beleg­bar. In einer Urkun­de von 1255 wird Han­del gemein­sam mit Soest erwähnt. Soest als Mit­glied des West­fä­li­schen Drit­tels war han­si­sche Vier­stadt, Bri­lon unter­stand die­ser als Bei­stadt. Bri­lon spiel­te in der Han­se kei­ne gewich­ti­ge Rol­le, die Mit­glied­schaft ende­te 1669. In der Fol­ge ent­wi­ckel­te Bri­lon sich unter der kur­köl­ni­schen Herr­schaft zu einer blü­hen­den Stadt mit etwa 3000 Ein­woh­nern und regem gewerb­li­chen und berg­män­ni­schen Leben sowie weit­rei­chen­den Han­dels­be­zie­hun­gen. 1350 zähl­te die Stadt 500 bis 600 Häu­ser. Zu die­ser Zeit nahm Bri­lon wie Soest und Werl eine domi­nie­ren­de Rol­le unter den Städ­ten des Her­zog­tums West­fa­len ein. Nach dem Aus­schei­den Soests 1444 wur­de Bri­lon zur ers­ten der vier Haupt­städ­te des Her­zog­tums West­fa­len erho­ben. Bri­lon stell­te auf den Land­ta­gen das Direk­to­ri­um der Städ­te­ku­rie; der Bri­lo­ner Stadt­schrei­ber war des­sen Pro­to­kol­lant. Die Ver­wah­rung der Pro­to­kol­le oblag dem Stadt­ar­chiv. Die Sit­zungs­pro­to­kol­le wur­den in einem Tre­sor im Turm der Pfarr­kir­che auf­be­wahrt. Etli­che Gewer­ken­fa­mi­li­en hat­ten gro­ßen Ein­fluss im Berg­bau, in der Ver­hüt­tungs­in­dus­trie und in den zahl­rei­chen Ham­mer­wer­ken im Sauerland.

Die Stadt erstell­te 1362 eine eige­ne Kriegs­ord­nung, in der auch die Abwehr­ord­nung auf der Stadt­be­fes­ti­gung fest­ge­legt wur­de. Die Waf­fen­ord­nung schrieb vor, dass auf Glo­cken­schlag alle Bür­ger sich zu bewaff­nen und vor ihrer Pfor­te unter die Ban­ner zu tre­ten hat­ten. Dort hat­ten sie auf den Bür­ger­meis­ter und den Rat zu war­ten. Auf eige­ne Faust soll­te vor­her nie­mand han­deln. Wer im Han­deln für die Stadt Scha­den nahm, für den hat­te die­se auf­zu­kom­men. Wider­spruch gegen den Rat wird mit Geld bestraft; wer, ehe der Kampf ver­lo­ren ist, flieht, ist mit Leib und Gut der Stadt ver­fal­len. Eben­so wird der, wel­cher, obwohl er konn­te, auf den Alarm nicht erschien, mit Geld bestraft. Das Urteil fäll­ten in sol­chen Fäl­len Bür­ger­meis­ter und Rat. Der ers­te Bri­lo­ner Schna­de­zug brach 1388 zur Gren­ze zwi­schen Keff­li­ker und Wil­lin­ger Mark auf. Im Jahr 1417 wur­den die Bri­lo­ner Schüt­zen­sta­tu­ten, die ältes­ten in West­fa­len, erstellt. Die Schnei­der erhiel­ten 1423, die Schuh­ma­cher und Löher 1428 ein eige­nes Sta­tut. Von Erz­bi­schof Diet­rich kamen 1435 Bestim­mun­gen über die Ein­zie­hung wüst gegan­ge­ner Hof­stät­ten, sofern die­se nicht inner­halb von zwei Jah­ren wie­der bebaut wur­den. Die­ser Erlass wur­de 1450, 1509 und 1515 neu gefasst und ver­schärft. Erz­bi­schof Diet­rich erteil­te 1448 der Stadt für geleis­te­te treue Diens­te das Akzi­se­pri­vi­leg. Erz­bi­schof Her­mann von Köln bestä­tig­te 1480 die städ­ti­schen Privilegien.

Etli­che ehe­ma­li­ge Dör­fer und auch Ein­zel­hö­fe fie­len im Lau­fe der Zeit wüst, die­ser Vor­gang setz­te um 1300 ein (sie­he Wiki­pe­dia-Arti­kel: Lis­te von Wüs­tun­gen bei Bri­lon).

Im 15. Jahr­hun­dert führ­ten Strei­tig­kei­ten und krie­ge­ri­sche Hand­lun­gen zu einem wirt­schaft­li­chen Nie­der­gang der Stadt. Die Krie­ge des 17. und 18. Jahr­hun­derts brach­ten unsag­ba­res Elend über die zuvor in hoher Blü­te ste­hen­de Stadt. Eine gewis­se Bedeu­tung hat­ten die Stadt und die Umge­bung noch seit der zwei­ten Hälf­te des 18. Jahr­hun­derts als Berg­bau­stand­ort. Die Berg­ver­wal­tung für das Her­zog­tum West­fa­len hat­te in Bri­lon ihren Sitz. Wäh­rend aus der Zeit vor 1700 kei­ne Stadt­brän­de bekannt sind, wur­de die Stadt im 18. und 19. Jahr­hun­dert mehr­fach von Brand­ka­ta­stro­phen heim­ge­sucht. Die Brän­de von 1707, 1721, 1742, 1746, 1758 und 1791 zer­stör­ten mehr als 500 Gebäu­de. Bri­lon wur­de 1727, urkund­lich belegt, von der Ruhr heim­ge­sucht. Auch davor und danach trat die Seu­che immer wie­der auf; die unzu­rei­chen­den hygie­ni­schen Ver­hält­nis­se tru­gen dazu bei. Die schlimms­te Ver­laufs­form war die rothe Ruhr, die wegen der blu­ti­gen Durch­fäl­le so genannt wur­de. Die Sterb­lich­keits­ra­te war hoch. Am 19. August 1742 ver­nich­te­te ein gro­ßer Stadt­brand 159 Wohn­häu­ser, 12 Scheu­nen und zahl­rei­che Stäl­le und Neben­ge­bäu­de. Das Feu­er war am nörd­li­chen Stadt­rand aus­ge­bro­chen und durch einen Nord­west­wind quer durch die Stadt ver­brei­tet wor­den. Der Brand for­der­te zwei Todes­op­fer. Fer­ner waren 47 durch Brand geschä­dig­te Fami­li­en oder Ein­zel­per­so­nen im Obe­ren Quar­tal, 44 im Kreu­zi­ger Quar­tal und 118 im Nie­de­ren Quar­tal zu verzeichnen.

Die Niko­lai­kir­che wur­de 1782 fer­tig­ge­stellt. Eini­ge Tei­le der Stadt­be­fes­ti­gung wur­den 1792 abge­bro­chen und die Stei­ne ander­wei­tig ver­baut. Ein Leut­nant von Kne­se­beck berich­te­te 1797 in sei­ner Geo­gra­fie des Her­zog­tums West­fa­len über die Stadt Bri­lon: „Ihre Häu­ser sind schlecht gebaut, die meis­ten Dächer der­sel­ben sind mit Stroh gedeckt; weni­ge aus­ge­nom­men, die erst vor eini­gen Jah­ren abge­brannt und neu erbau­et sind. Noch hat die Stadt eine Mau­er, die aber schon an meh­re­ren Orten zer­fällt.“ Wei­ter heißt es: „Auf den Stra­ßen der Stadt liegt durch­gän­gig der Mist umher, sodass man kaum durch­wa­ten kann, ver­ur­sacht eine unge­sun­de Luft und üblen Geruch. Das ein­zi­ge Ver­gnü­gen, das der Bür­ger zu ken­nen scheint, sind Büch­sen­schüs­se am Sonn­tag­nach­mit­tag auf eine Scheibe.“

Wäh­rend der Zeit Napo­lé­ons kam Bri­lon 1802 an Hes­sen-Darm­stadt. 1803 wur­de das Mino­ri­ten­klos­ter auf­ge­löst. Das Inven­tar der Kir­che und des Klos­ters wur­de ver­stei­gert; die Gebäu­de wur­den zur Kaser­ne umfunk­tio­niert. Der Magis­trat wur­de 1804 von der hes­si­schen Regie­rungs­be­hör­de in Arns­berg auf­ge­for­dert, einen Begräb­nis­platz außer­halb der Mau­ern anzu­le­gen und den an der Kir­che auf­zu­ge­ben. Zu der Zeit hat­te die Stadt noch an kei­ner Stel­le den mit­tel­al­ter­li­chen Befes­ti­gungs­ring über­schrit­ten. Nach meh­re­ren Ein­ga­ben und Ein­wen­dun­gen sei­tens der Stadt wur­de Anfang 1807 auf einem Stück der Kreu­zi­ger Wal­de­mei, nörd­lich der Stadt, ein Toten­hof ein­ge­rich­tet. Die­ser Toten­hof ist heu­te der alte Teil des Fried­hofs. Das Her­zog­tum West­fa­len wur­de 1807 in 18 Ämter und 282 Schult­hei­ßen­be­zir­ke aufgeteilt.

Nach dem Wie­ner Kon­gress 1816 gelang­te Bri­lon als Teil der Pro­vinz West­fa­len an Preu­ßen, das die­ses 1818 zur Kreis­stadt des Krei­ses Bri­lon ernann­te. Damit erhielt Bri­lon als Sitz von Behör­den und Schu­len erneut Bedeu­tung. Der Aus­bau der Ver­kehrs­ver­bin­dun­gen und städ­ti­sche Maß­nah­men führ­ten zu einer star­ken Ent­wick­lung von Hand­werk und Gewer­be. Der west­fä­li­sche Ober­prä­si­dent Lud­wig von Vincke berich­te­te 1817 an den Staats­kanz­ler Karl August von Har­den­berg über die Bri­lo­ner: „Sie sind ein kern­haf­ter, kräf­ti­ger Men­schen­schlag, sehr betrieb­sam, tätig und gewit­zigt, wie die Gebirgs­be­woh­ner gewöhn­lich, über­aus genüg­sam und haus­häl­te­risch, wenn auch kein vor­züg­li­cher Grad von Wohl­ha­ben­heit unter ihnen wahr­ge­nom­men wird.“[33] Die Bür­ger­meis­te­rei Bri­lon wur­de 1826 gegrün­det. Die Stadt schied 1837 aus dem bestehen­den Bür­ger­meis­ter­ver­band aus. Von da an wur­de sie nach der Städ­te­ord­nung von 1831 ver­wal­tet. Wei­te­re grö­ße­re Brän­de sind in den Jah­ren 1808, 1849, 1852, 1853, 1856, 1877 und 1886 ver­zeich­net, bei denen jeweils eine grö­ße­re Zahl an Gebäu­den ein Raub der Flam­men wur­de. In Bri­lon exis­tier­te ab 1762 eine Glo­cken­gie­ße­rei Hein­rich Hum­pert (ab 1918 Glo­cken­gie­ße­rei Albert Jun­ker), wel­che von 1929 bis 1933 die ers­te Glo­cken­gie­ßer­schu­le welt­weit betrieb.

Am Anfang des 20. Jahr­hun­derts Zeit hat­te die Stadt rund 5.000 Ein­woh­ner. Trotz der wirt­schaft­li­chen Bele­bung waren erheb­li­che Abwan­de­rungs­ver­lus­te zu ver­zeich­nen. Im Ers­ten Welt­krieg fie­len 195 männ­li­che Bür­ger. In der Zeit danach präg­ten wirt­schaft­li­che Schwie­rig­kei­ten das Leben der Bevölkerung.

Im Zwei­ten Welt­krieg blieb die Stadt bis zum Herbst 1944 von Luft­an­grif­fen der Alli­ier­ten ver­schont. Die ers­ten Bom­ben­wür­fe um und in Bri­lon gin­gen ohne nen­nens­wer­te Schä­den ab. Am 10. Janu­ar 1945 kam es zu einem Luft­an­griff durch die United Sta­tes Army Air For­ces, bei dem gan­ze Stra­ßen­zü­ge beschä­digt oder zer­stört wur­den. Beson­ders betrof­fen waren die Hop­pe­cker Stra­ße und die Der­ke­re Mau­er. Ein Blind­gän­ger durch­schlug das Dach der Propstei­kir­che. Hier­bei wur­den 39 Men­schen, dar­un­ter 13 Kin­der, getö­tet. Spä­ter kamen vier Per­so­nen bei zwei wei­te­ren Luft­an­grif­fen ums Leben. Ende März 1945 erleb­te Bri­lon den Durch­zug von nach Osten flüch­ten­den Mili­tär- und Zivil­fahr­zeu­gen. Aus­län­di­sche Kriegs­ge­fan­ge­ne wur­den zu Fuß durch die Stadt getrie­ben. Am 29. März um 16 Uhr wur­de die Stadt von ame­ri­ka­ni­schen Trup­pen von Süden her kampf­los besetzt, da sich nur ver­spreng­te deut­sche Sol­da­ten in der Stadt befan­den und auch der mobi­li­sier­te Volks­sturm nicht kampf­be­reit war.

Nach dem Zwei­ten Welt­krieg wur­de Bri­lon Teil des neu geschaf­fe­nen Lan­des Nord­rhein-West­fa­len. Im Zuge der kom­mu­na­len Neu­glie­de­rung 1975 wur­den 14 Gemein­den der Stadt ange­glie­dert. Im Jahr 2009 wur­de ein Staats­ver­trag zwi­schen Hes­sen und Nord­rhein-West­fa­len geschlos­sen über die Abga­be von 55 Flur­stü­cken mit einer Flä­che von zusam­men 14 Hekt­ar an Bri­lon. Für den Gebiets- und Steu­er­kraft­ver­lust zahlt die Stadt Bri­lon an die Gemein­de Die­mel­see einen Aus­gleich von 390.000 Euro. Der Staats­ver­trag ist seit dem 1. Novem­ber 2009 in Kraft.

Am 1. Janu­ar 1975 wur­den im Zuge der kom­mu­na­len Neu­glie­de­rung in Nord­rhein-West­fa­len die bis­her vom Amt Thü­len ver­wal­te­ten Gemein­den Alme, Bont­kir­chen, Hop­pe­cke, Mad­feld, Mes­sing­hau­sen, Neh­den, Rad­ling­hau­sen, Rixen, Rösen­beck, Schar­fen­berg, Thü­len, Wülf­te und die zum Amt Big­ge gehö­ren­den Gemein­den Alten­bü­ren und Eßhoff Stadt­tei­le von Brilon.

Bri­lon-Wald, Peters­born und Guden­ha­gen waren auch vor der kom­mu­na­len Neu­ord­nung kei­ne selb­stän­di­gen Gemein­den, son­dern gehör­ten von jeher zur Stadt Bri­lon, damals eine der flä­chen­mä­ßig größ­ten Gemein­den in Nordrhein-Westfalen.

Wei­ter­füh­ren­de Quellen:

Für das Titel­bild wur­de ver­wen­det: Screen­shot der Index­sei­te für St. Petrus und Andre­as in Bri­lon von Matri­cu­la (14.01.2022)

Michael de Radobýl

Ahnenforscher seit 2010, Nachwuchsförderer seit 2014, Projektgründer seit 2015, Relauchner seit 2019, nobilis arbiter honorarius medium seit 2020.Die Spuren meiner Ahnen lassen sich über verschiedene Gebiete in Ost- und Westeuropa zurückverfolgen. Mütterlicherseits habe ich Vorfahren aus Sachsen, Hessen, Wittgenstein, Preußen, durch Zuwanderer aus der Schweiz und Südtirol, sowie aus dem Adel bis ins frühe 6. Jahrhundert in verschiedene Teilen Westeuropas. Väterlicherseits kommen meine Vorfahren aus Sachsen, Brandenburg und durch erste Hinweise auch aus Böhmen und dem sorbischen Bereich. Viele Ahnenzweige väterlicherseits sind allerdings noch unerforscht.

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