Erstes Ortsfamilienbuch für zwei Dresdner Stadtteile erschienen

Cover des Ortsfamilienbuchs „Geschichte von Lockwitz und Nickern - Ortsfamilienbuch für zwei Dresdner Stadtteile 1757 bis 1907“
Cover des Ortsfamilienbuchs „Geschichte von Lockwitz und Nickern - Ortsfamilienbuch für zwei Dresdner Stadtteile 1757 bis 1907“

Mat­thi­as Daber­stiel aus Lock­witz hat über sei­nen Hei­mat­ort und den kirch­li­chen dazu­ge­hö­ri­gen Nach­bar­ort Nickern sein ers­tes Orts­fa­mi­li­en­buch ver­fasst. Und es ist mit über 1000 Sei­te gleich ein gro­ßes Werk gewor­den, was nun im Car­da­mi­na-Ver­lag erschie­nen ist. Hier ein kur­zer Einblick.

Die Geschich­te der Dresd­ner Stadt­tei­le Lock­witz (01257) und Nickern (01239) ist eigent­lich gut erforscht. Seit dem Beginn des 18. Jahr­hun­derts haben vie­le Orts­chro­nis­ten die His­to­rie die­ser Dör­fer, die erst im 20. Jahr­hun­dert Teil von Dres­den wur­den, zusam­men­ge­tra­gen und fort­ge­führt. Eini­ge Stra­ßen in Lock­witz tra­gen heu­te die Namen die­ser Män­ner: TÖGEL, THEILE, GROHMANN, GERBER und STÜLTZE sind aber nur eini­ge von ihnen. Die Stamm­bäu­me der Lock­wit­zer und Nicker­ner Fami­li­en waren jedoch bis­her noch nie Bestand­teil his­to­ri­scher For­schung. Die­se Lücke schließt die­ses Orts­fa­mi­li­en­buch. Es stellt sys­te­ma­tisch alle Fami­li­en in Lock­witz und Nickern in ihren ver­wandt­schaft­li­chen Zusam­men­hän­gen zwi­schen 1757 und 1907 dar.

Der Autor, Mat­thi­as Daber­stiel, beschäf­tigt sich schon seit eini­gen Jah­ren mit der Geschich­te sei­nes Wohn­or­tes Lock­witz. Als Hob­by-Fami­li­en­for­scher und Mit­glied des Ver­eins „Hei­mat­freun­de Lock­witz“ nutz­te er Quel­len der Ahnen- und Hei­mat­for­schung, um die­ses Buch in zwei­ein­halb­jäh­ri­ger akri­bi­scher Arbeit fer­tig­zu­stel­len. Erfasst wur­den Gebur­ten, Hei­ra­ten und Todes­fäl­le aus Kir­chen­bü­chern (1757 – 1875) und Stan­des­amt­re­gis­tern (1876 – 1907) sowie Bege­ben­hei­ten aus den vor­lie­gen­den Chro­ni­ken. Über 33.000 Per­so­nen wer­den im Buch chro­no­lo­gisch und in ihren Fami­li­en­zu­sam­men­hän­gen dar­ge­stellt. Auf­ge­nom­men wur­den auch die Eltern von Men­schen die in Lock­witz oder Nickern ein­hei­ra­te­ten, oder Fami­li­en mit Orts­be­zug die weg­zo­gen und woan­ders Kin­der beka­men, sofern die Quel­len online zugäng­lich waren. Ins­ge­samt wur­den über 400 Pri­mär­quel­len genutzt.

Das ers­te Kir­chen­buch von Lock­witz von 1624 – 1756 wur­de bei einem Pfarr­haus­brand ver­nich­tet. Trotz­dem ist es dem Autor gelun­gen anhand von Chro­ni­ken für weni­ge Fami­li­en die­se Lücke zu schlie­ßen. In einem Extra-Teil auf­ge­nom­men wur­den die Lock­wit­zer und Nicker­ner Fami­li­en, die im Leu­b­nit­zer Kir­chen­buch zwi­schen 1577 bis 1623 stehen.

Kom­plet­tiert wird die umfang­rei­che Fami­li­en­ge­schich­te durch eine Zusam­men­fas­sung der Orts­ge­schich­te von Lock­witz und Nickern. Dabei wur­den beson­ders die Lehns­her­ren, die Kir­chen, Schu­len und die Wirt­schafts- und Berufs­ge­schich­te in den Blick genom­men und illus­triert. Hier sind ins­be­son­de­re die Müh­len und der Brot- und Mehl­han­del zu nen­nen. Als Grund dafür wird eine Bege­ben­heit im 16. Jahr­hun­dert ange­führt: Als in Dres­den um 1522 die Pest aus­brach, ver­sorg­ten die Lock­wit­zer und Nicker­ner Bäcker die Stadt, indem sie das Brot über die Stadt­mau­er war­fen. Fort­an genos­sen sie das Pri­vi­leg, ihr Brot und Mehl nach Dres­den ver­kau­fen zu dür­fen. Spä­ter sie­del­ten sich welt­be­kann­te Mar­ken wie Rüger-Scho­ko­la­de und die Kel­te­rei Donath (Lock­witz­grund) am Ort an. Sol­che und ähn­li­che Geschich­ten prä­gen vie­le Fami­li­en bis heu­te. Sie sind hier nachzulesen.

Das Orts­fa­mi­li­en­buch „Geschich­te von Lock­witz und Nickern – Orts­fa­mi­li­en­buch für zwei Dresd­ner Stadt­tei­le 1757 bis 1907“ umfasst einen Band und ist als Hard­co­ver für 79,- EUR zzgl. 5,95 EUR Ver­sand­kos­ten im Online­shop des Car­da­mi­na-Ver­lags zu erwer­ben. Das gedruck­te Buch umfasst 1024 Sei­ten und etwa 33.000 Namen. Das Orts­fa­mi­li­en­buch wird on demand gedruckt. Die ISBN des Buches ist 978 – 3‑86424 – 542‑8. Es ist in der Rei­he „Deut­sche Orts­sip­pen­bü­cher“ unter der Num­mer 02.265 gegliedert.

Geografische Lage

Lage von Lockwitz und Nickern
Lage von Lock­witz und Nickern

Lock­witz (PLZ: 01257) ist ein Stadt­teil im äußers­ten Süd­os­ten der Stadt Dres­den und des Stadt­be­zirks Proh­lis. Zum Sta­tis­ti­schen Stadt­teil Lock­witz gehö­ren noch die angren­zen­den Orte Kau­schaLuga und Nickern (01239). Tat­säch­lich befin­det sich in Lock­witz die süd­lichs­te Bebau­ung der Stadt. Zu die­ser gehört die etwa 65 Meter hohe Lock­witz­tal­brü­cke der A 17 über den Lock­witz­grund. Lock­witz liegt am nörd­li­chen Ende die­ses Tals am gleich­na­mi­gen Lock­witz­bach.

Geschichtliches

Das fol­gen­de Unter­ka­pi­tel ist ein Aus­zug aus dem zuge­hö­ri­gen Wiki­pe­dia-Arti­kel (sie­he Quel­len). Die­ser Aus­zug wur­de bei Bedarf für eine schnel­le­re Les­bar­keit unter Umstän­den etwas gekürzt und angepasst.

Geschichtliches von Lockwitz

Lock­witz wur­de 1288 erst­mals als Luca­witz erwähnt. Es gehör­te damals zur reichs­un­mit­tel­ba­ren Burg­graf­schaft Doh­na und kam erst nach deren Nie­der­gang 1402 zur Mark­graf­schaft Mei­ßen, dem Vor­läu­fer Sach­sens. Der Name lei­tet sich aus dem alt­sor­bi­schen *Łuka­vi­ca ab (von łu

Lock­witz wur­de 1288 erst­mals als Luca­witz erwähnt. Es gehör­te damals zur reichs­un­mit­tel­ba­ren Burg­graf­schaft Doh­na und kam erst nach deren Nie­der­gang 1402 zur Mark­graf­schaft Mei­ßen, dem Vor­läu­fer Sach­sens. Der Name lei­tet sich aus dem alt­sor­bi­schen *Łuka­vi­ca ab (von łuka, „Wie­se, Aue“) und bedeu­tet „Ort am Wie­sen­bach“ oder „Ort an der Aue“ Das spä­ter ent­stan­de­ne Rit­ter­gut besaß die Obe­re Gerichts­bar­keit, konn­te also har­te Stra­fen ver­hän­gen und voll­zie­hen. Fried­rich II. von Preu­ßen mach­te Lock­witz im März 1757 für einen Monat zu sei­nem Haupt­quar­tier.[2]

ka, „Wie­se, Aue“) und bedeu­tet „Ort am Wie­sen­bach“ oder „Ort an der Aue“ Das spä­ter ent­stan­de­ne Rit­ter­gut besaß die Obe­re Gerichts­bar­keit, konn­te also har­te Stra­fen ver­hän­gen und voll­zie­hen. Fried­rich II. von Preu­ßen mach­te Lock­witz im März 1757 für einen Monat zu sei­nem Haupt­quar­tier.[2]

Im 19. Jahr­hun­dert blüh­te die halb­in­dus­tri­el­le Müh­len­ver­ar­bei­tung in Lock­witz auf und ermög­lich­te so einen Wan­del vom Bau­ern­stand zum bür­ger­li­chen Ort. Durch den nahen Obst­an­bau ent­stand eine wich­ti­ge Kelterei.

Guts­be­sit­zer zu jener Zeit wur­de Her­mann Frei­herr von Kap-herr (1801 – 1877). Er war als spa­ni­scher Kon­sul, Ban­kier und erb­li­cher Ehren­bür­ger von St. Peters­burg 1868 in den Adels­stand erho­ben wor­den. Und sein Sohn Karl (1827 – 1887) begrün­de­te sogleich einen Fami­li­en­fi­dei­kom­miss mit fest­ge­leg­ter Erb­fol­ge, für Lock­witz und die Begü­te­rung Klein Vie­len in Meck­len­burg. Haupt­wohn­sitz des Erben Frei­herr Her­mann von Kapp-herr (1854 – 1929) blieb Schloss Lock­witz. Kurz vor der gro­ßen Wirt­schafts­kri­se 1928/​1929 umfass­te das meck­len­bur­gi­sche Rit­ter­gut Klein Vie­len mit Hart­wigs­hof der Gebrü­der Frei­her­ren von Kapp-herr ins­ge­samt 1108 ha.

Im Jahr 1906 wur­de Lock­witz an das Dresd­ner Stra­ßen­bahn­netz durch die Lock­witz­tal­bahn ange­schlos­sen, wel­che 1977 durch eine Bus­li­nie ersetzt wur­de. Im Jahr 1930 wur­de Lock­witz nach Dres­den ein­ge­mein­det. Mit­te der 1920er Jah­re bestan­den nach dem Land­wirt­schaft­li­chen Adress­buch für den Frei­staat Sach­sen drei Land­wirt­schafts­be­trie­be in Lock­witz. Die Bau­ern­hö­fe von Robert Bruch­mann mit 13 ha, von Paul Schmidt-Nickern mit 11 ha sowie das ade­li­ge Rit­ter­gut, 289 ha groß, Ver­wal­ter O. Jacob.

Letz­ter Schloss­herr war Richard Frei­herr von Kapp-herr (1889 – 1961), Major a. D. und seit 1937 Rechts­rit­ter des Johan­ni­ter­or­den.

Geschichtliches von Nickern

Die ehe­ma­li­gen Kreis­gra­ben­an­la­gen aus dem 5. Jahr­tau­send v. Chr. sind ver­mut­lich das Zen­trum der ers­ten Besied­lung des Dresd­ner Elb­tals gewesen.

Aus der frü­hen Bron­ze­zeit (Aun­je­tit­zer Kul­tur) sind Grab­fun­de gemacht worden.

Ein Män­ner­grab (um 550) und ein Frau­en­grab (letz­tes Drit­tel 6. Jahr­hun­dert) wur­den 1897 ent­deckt und den Lan­go­bar­den zuge­ord­net. Die lan­ge Lan­go­bar­den­stra­ße hat daher ihren Namen.

Der Ort wird 1288 erst­mals als Nicur erwähnt, was als „Ort des Nikur“ gedeu­tet aber auch vom ursla­wi­schen Kuri­ti („nicht räu­chern“) abge­lei­tet wer­den kann. 1923 wur­de Nickern nach Lock­witz ein­ge­mein­det und mit die­sem gemein­sam am 1. Janu­ar 1930 nach Dresden.

Nickern unter­teilt sich in Alt­ni­ckern, einen sehr gut erhal­te­nen Dorf­kern mit der alt­ein­ge­ses­se­nen Bäcke­rei als Mit­tel­punkt, und Neu­ni­ckern, einer in den 1930er Jah­ren ent­stan­de­nen Sied­lung. In den letz­ten Jah­ren sind die als Luft­waf­fen­ka­ser­ne ent­stan­de­nen Gebäu­de saniert und bewohn­bar gemacht wor­den. Von die­sen Kaser­nen aus sind rus­si­sche Pan­zer im Jahr 1968 zur Nie­der­schla­gung des Pra­ger Früh­lings los­ge­zo­gen. Außer­dem ist es in den letz­ten Jah­ren von einem Neu­bau­ge­biet erwei­tert wor­den, dass sich bis nach Lock­witz erstreckt.

Bemer­kens­wert ist auch das Schloss Nickern, wel­ches nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung lan­ge Jah­re als Kul­tur­zen­trum dien­te. Im Zuge von Kür­zun­gen für sozia­le Pro­jek­te muss­te der Ver­ein Schloss Nickern e. V. den Betrieb einstellen.

Der Kin­der- und Jugend­bau­ern­hof Nickern orga­ni­siert seit eini­gen Jah­ren mit Erfolg sozia­le Pro­jek­te für Kin­der und Jugendliche.

Auf dem neu­ge­stal­te­ten Sport­platz der ehe­ma­li­gen Kaser­ne spielt seit 2011 der Ver­ein Geber­grund Gop­peln Fußball.

Seit Anfang 2020 wird in Nickern und Proh­lis auf elf Info-Ste­len über jewei­li­ge archäo­lo­gi­sche Fun­de bzw. loka­le Gescheh­nis­se infor­miert. Dazu wur­de eine Bro­schü­re Nickern und Proh­lis – Archäo­lo­gie und Geschich­te am Geber­bach in Dres­den vom Lan­des­amt für Archäo­lo­gie Sach­sen herausgegeben.

Weiterführende Quellen

Für das Titel­bild wur­de ver­wen­det: Cover des Orts­fa­mi­li­en­buchs „Geschich­te von Lock­witz und Nickern – Orts­fa­mi­li­en­buch für zwei Dresd­ner Stadt­tei­le 1757 bis 1907“

Michael de Radobýl

Ahnenforscher seit 2010, Nachwuchsförderer seit 2014, Projektgründer seit 2015, Relauchner seit 2019, nobilis arbiter honorarius medium seit 2020.Die Spuren meiner Ahnen lassen sich über verschiedene Gebiete in Ost- und Westeuropa zurückverfolgen. Mütterlicherseits habe ich Vorfahren aus Sachsen, Hessen, Wittgenstein, Preußen, durch Zuwanderer aus der Schweiz und Südtirol, sowie aus dem Adel bis ins frühe 6. Jahrhundert in verschiedene Teilen Westeuropas. Väterlicherseits kommen meine Vorfahren aus Sachsen, Brandenburg und durch erste Hinweise auch aus Böhmen und dem sorbischen Bereich. Viele Ahnenzweige väterlicherseits sind allerdings noch unerforscht.

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