Online-OFB „Hotzenplotz mit Deutsch Paulowitz, Glemkau, Stubendorf und Taschenberg“ am 03.09.2021 aktualisiert

Ringplatz von Hotzenplotz mit Rathaus und Bezirksgericht
Ringplatz von Hotzenplotz mit Rathaus und Bezirksgericht; aus einer Ansichtskarte; PD-alt-100

Das Online-OFB „Hot­zen­plotz mit Deutsch Pau­lo­witz, Glem­kau, Stu­ben­dorf und Taschen­berg“ wur­de am 3. Sep­tem­ber 2021 aktua­li­siert. Der­zeit sind 29.441 Per­so­nen vor­han­den, die in 10.805 Fami­li­en geglie­dert sind.

Geografische Lage

Lage von Hotzenplotz mit Deutsch Paulowitz, Glemkau, Stubendorf und Taschenberg
Lage von Hot­zen­plotz mit Deutsch Pau­lo­witz, Glem­kau, Stu­ben­dorf und Taschenberg

Die Ort­schaf­ten Hot­zen­plotz (tsche­chisch: Osob­laha), Deutsch Pau­lo­witz (tsche­chisch: Slez­ské Pavlo­vice), Glem­kau (tsche­chisch: Hlin­ka), Stu­ben­dorf (tsche­chisch: Stud­nice) und Taschen­berg (tsche­chisch: Tošo­vice) befin­den sich im tsche­chi­schen Okres Brun­tál (Bezirk Freu­den­thal) und lie­gen in den Sude­ten in der Mikro­re­gi­on Osob­laha am lin­ken Ufer der Osobło­ga, etwa 14 Kilo­me­ter nord­öst­lich von Głub­c­zy­ce (Leob­schütz) und 19 Kilo­me­ter nörd­lich von Krnov (Jägern­dorf).

Kurzinfo zum Online-OFB

Der Bear­bei­ter des Online-OFB ist Maik Glie­se. Er hat im Jahr 2013 begon­nen, die­ses Online-OFB zu ver­öf­fent­li­chen. Er ist u. a. auch Bear­bei­ter des Online-OFB „Laß­witz (Hohen­schanz) mit Ellsnig und Schlog­witz“ oder des Online-OFB „Dit­ters­dorf“.

Der Bear­bei­ter Maik Glie­se liegt im ein­lei­ten­den Text des Online-OFB viel Wert auf eine aus­führ­li­che Geschich­te für die behan­del­ten Orte des Online-OFB. Was der ein­lei­ten­de Text an geschicht­li­chen Infor­ma­tio­nen mit sich trägt, das ver­misst der Leser jedoch in den ver­wen­de­ten Quel­len und des­sen gül­ti­gen Zeit­räu­me für die Bear­bei­tung der genea­lo­gi­schen Daten. Der Bear­bei­ter macht kei­ne Anga­ben dar­über, wel­che Quel­le dem Online-OFB in sei­ner Bear­bei­tung zugrun­de liegen.

Auf­ge­wer­tet ist das Online-OFB jedoch mit eini­gen Abbil­dun­gen und Ansich­ten der behan­del­ten Ortschaften.

Das Online-OFB wur­de mit dem genea­lo­gi­schen Pro­gramm Gramps bearbeitet.

Screenshot des Online-OFB "Hotzenplotz mit Deutsch Paulowitz, Glemkau, Stubendorf und Taschenberg"
Screen­shot des Online-OFB „Hot­zen­plotz mit Deutsch Pau­lo­witz, Glem­kau, Stu­ben­dorf und Taschen­berg“ (Stand: 03.09.2021)

Geschichtliches

Hotzenplotz

Wappen von Hotzenplotz
Wap­pen von Hot­zen­plotz; gemeinfrei

Im Tsche­chi­schen wie im Deut­schen und auch im Pol­ni­schen trägt die Stadt den Namen des Flus­ses, an dem sie liegt: Osob­laha, Hot­zen­plotz bzw. Osoblo­ga. Der Bres­lau­er For­scher Hein­rich Adam ver­mu­te­te 1888 einen vors­la­wi­schen Fluss­na­men ‚Ossa‘, aus dem dann ein sla­wi­sches ‚Oss­ob­la­via‘ oder ‚Oss­ob­la­ka‘ gewor­den sei, von „der Ossa umflos­sen“ oder „… durch­flos­sen“. Die deut­sche Bezeich­nung Hot­zen­plotz ist eine Ver­ball­hor­nung der sla­wi­schen Bezeichnung.

Um das Gebiet kam es seit dem 10. Jahr­hun­dert zu böh­misch-pol­ni­schen krie­ge­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen, die erst 1137 mit dem Pfingst­frie­den von Glatz been­det wur­den. Durch die nach­fol­gen­de Grenz­zie­hung ver­blieb die Umge­bung von Osob­laha bei Böh­men. Die nahe Gren­ze gab jedoch Anlass, die stadt­ähn­li­che Ansied­lung als nord­öst­li­che mäh­ri­sche Grenz­fes­tung aus­zu­bau­en. Die topo­gra­phi­sche Lage auf dem Pla­teau eines Hügels war hier­zu eine gute Vor­aus­set­zung. Unter dem Olmüt­zer Bischof Robert von Eng­land begann der Aus­bau der Stadt. Der Bau der Pfarr­kir­che St. Maria Mag­da­le­na im goti­schen Stil wur­de begon­nen und auch der Bau der Niko­lai­ka­pel­le außer­halb der Stadt. Es ist anzu­neh­men, dass die Stadt um 1235 gegrün­det wurde.

Die fried­li­che Ent­wick­lung der Regi­on wur­de 1241 durch den Mon­go­len­ein­fall unter­bro­chen. Mor­dend und plün­dernd zogen die Tata­ren durch das Land. Die Stadt wur­de zer­stört, die Bewoh­ner flüch­te­ten, wur­den umge­bracht oder ver­schleppt. Das Gebiet war ent­völ­kert. Die weni­gen Über­le­ben­den waren nicht in der Lage, das ver­brann­te Land wie­der aufzubauen.

In die­ser Zeit wur­de Bru­no von Schau­en­burg von Papst Inno­zenz IV. auf den Olmüt­zer Bischofs­stuhl beru­fen. Unter dem Schutz des böh­mi­schen Königs Otto­kar II. Pře­mysl hol­te er deut­sche Sied­ler aus Sach­sen, Bay­ern, Fran­ken und Schwa­ben in das Land. Wäl­der wur­den gero­det, Fel­der ange­legt, Ort­schaf­ten und Nie­der­las­sun­gen gegrün­det. Das erfolg­te in der Zeit­span­ne bis 1267.

1260 war die Stadt wie­der auf­ge­baut, mit Mau­ern, Toren und Tür­men bewehrt, mit Wall und Gra­ben umge­ben. Dadurch war eine Grenz­fes­te des mäh­ri­schen Bischofs­sit­zes in Olmütz ent­stan­den. Als Eigen­tum des Olmüt­zer Bis­tums war die Enkla­ve Hot­zen­plotz ein Lehen der Köni­ge Böh­mens und damit Teil des Hei­li­gen Römi­schen Rei­ches. Dies geht aus der Gol­de­nen Bul­le Karls IV. her­vor. Die Stadt war bis 1918/​20 eine mäh­ri­sche Exkla­ve in Schle­si­en und gehör­te als sol­che zum Kron­land Mäh­ren, im Bereich der staat­li­chen Ver­wal­tung aber zur Statt­hal­te­rei Schlesien.

Die Neu­grün­dung der Stadt erfolg­te nach Mag­de­bur­ger Stadt­recht etwa um 1250. In allen Urkun­den und Doku­men­ten führ­ten die Bischö­fe von Olmütz u. a. auch den Titel „Her­zog von Hot­zen­plotz“. Die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung wur­de mehr­fach durch Krie­ge, Über­fäl­le und Plün­de­run­gen gestört. Dazu gehör­ten die lang­jäh­ri­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit Polen, Ungarn und den Hus­si­ten, die 1428 brand­schat­zend durch das Land zogen. Öfters wur­de die Stadt nie­der­ge­brannt und wie­der auf­ge­baut. Auch in fried­li­chen Zei­ten geschah es, dass unacht­sa­mer Umgang mit Feu­er die in ihrer Bau­wei­se leicht ent­zünd­li­chen Häu­ser in Brand setz­te. Die Anla­ge der Stadt blieb mehr als 500 Jah­re unver­än­dert und behielt die alten Stra­ßen­na­men Ring­platz, Binder‑, Töpfer‑, Fär­ber­gas­se bis zur völ­li­gen Zer­stö­rung im März 1945 bei.

Als wäh­rend der Hus­si­ten­zeit Juden aus Prag ver­trie­ben wur­den, erlaub­te 1415 der Bischof von Olmütz jüdi­schen Fami­li­en, sich in Hot­zen­plotz anzu­sie­deln. All­mäh­lich wuchs die jüdi­sche Bevöl­ke­rung, eben­so ihr Anteil an der Gesamt­be­völ­ke­rung der Stadt. Im Jah­re 1616 gab es z. B. 135 jüdi­sche Fami­li­en in 32 Häu­sern. (Zum Ver­gleich: Damals zähl­te Hot­zen­plotz 282 Häu­ser christ­li­cher Fami­li­en.) Die jüdi­sche Gemein­de errich­te­te 1808 eine Syn­ago­ge. Der jüdi­sche Fried­hof wur­de im Gebiet der k. und k. Mon­ar­chie zum zweit­größ­ten nach dem in Prag. 1802 wur­de als höchs­te Zahl jüdi­scher Ein­woh­ner 845 erreicht. In der Mit­te des 19. Jahr­hun­derts ver­lie­ßen die meis­ten Juden aus wirt­schaft­li­chen Grün­den die Stadt.

Reli­gi­ons­krie­ge und Refor­ma­ti­on im 16. Jahr­hun­dert lie­ßen das Hot­zen­plot­zer Länd­chen nicht unbe­rührt. Die Leh­ren Luthers fan­den auch hier Ein­gang und spal­te­ten die Bevöl­ke­rung in zwei Par­tei­en. Der erreich­te Wohl­stand wur­de erheb­lich beein­träch­tigt, da sich die Par­tei­en hef­tig befehdeten.

Der Drei­ßig­jäh­ri­ge Krieg brach­te erneu­te Unru­he. Söld­ner­hee­re der Kriegs­par­tei­en zogen durch das Land, plün­der­ten und muss­ten ver­pflegt, Kon­tri­bu­tio­nen und Befrei­ungs­ta­xen bezahlt wer­den. Hot­zen­plotz wur­de mehr­fach von Trup­pen besetzt. Hun­gers­nö­te, Seu­chen und Krank­hei­ten bra­chen aus. Die Pest for­der­te erheb­li­che Opfer. Es kam zu Hexen­ver­fol­gun­gen. Opfer der Hexen­pro­zes­se wur­de neben ande­ren Chris­toph Alo­is Laut­ner, Pfar­rer und Dechant in Hot­zen­plotz. Vie­le Ein­woh­ner waren geflohen.

Um künf­tig gegen Fein­de wehr­haft zu sein und sich ver­tei­di­gen zu kön­nen, wur­de 1656 die Bür­ger­li­che Schüt­zen­ge­sell­schaft als ältes­ter Ver­ein der Stadt gegrün­det. In die­ser Zeit der Not und des Elends wur­de um 1700 die Spit­zen­klöp­pe­lei, aus dem Erz­ge­bir­ge stam­mend, ein­ge­führt. Die Stadt erhol­te sich nur langsam.

Die Schle­si­schen Krie­ge und der kurz dar­auf fol­gen­de Baye­ri­sche Erb­fol­ge­krieg über­zo­gen das Land mit neu­em Unheil. Fried­rich der Gro­ße über­fiel Schle­si­en, des­sen Her­zog­tü­mer sich zwi­schen 1289 und 1369 als ein Lehen unter die Kro­ne Böh­men bega­ben, die ab 1526 die Habs­bur­gern inne­hat­ten. Auch die Enkla­ve Hot­zen­plotz wur­den von preu­ßi­schen Trup­pen wie­der­holt besetzt. Es kam zur Aus­beu­tung der Bevöl­ke­rung durch enor­me Las­ten, denn die Hee­re bei­der Kriegs­par­tei­en und deren Hilfs­trup­pen muss­ten unter­ge­bracht und ver­pflegt wer­den. Pfer­de und Fuhr­wer­ke waren zu stel­len. Bei Wider­stand kam es zu Plün­de­rung, Brand­schat­zung und wei­te­ren Kon­tri­bu­tio­nen. Trotz die­ser Schwie­rig­kei­ten war es dem Fran­zis­ka­ner­pa­ter Petrus Rega­la­ti durch Spen­den mög­lich, 1767 – 1768 die Niko­lai­ka­pel­le zu einer Kir­che neu aufzubauen.

Erz­her­zo­gin Maria The­re­sia muss­te in ihrer Eigen­schaft als Köni­gin von Böh­men schließ­lich den größ­ten Teil Schle­si­ens an Preu­ßen abtre­ten. Nur ein klei­ner Teil, das spä­te­re Öster­rei­chisch-Schle­si­en, zu dem auch die Enkla­ve Hot­zen­plotz gehör­te, ver­blieb 1742 bei der Habs­bur­ger Mon­ar­chie. Die­se Grenz­zie­hung blieb bis in die jüngs­te Zeit erhal­ten und war von erheb­li­chem wirt­schaft­li­chen Nach­teil für die Stadt, ver­lor sie doch dadurch einen gro­ßen Teil ihres natür­li­chen Wirtschaftsraums.

Die gro­ßen Krie­ge des 19. Jahr­hun­derts zwi­schen Deut­schen, Fran­zo­sen und Öster­rei­chern bis zum Ers­ten Welt­krieg berühr­ten die Gegend nicht. Trotz hoher Steu­ern und Abga­ben waren die­se Krie­ge mit denen frü­he­rer Zei­ten nicht zu ver­glei­chen. Im Rah­men der Ver­wal­tungs­re­for­men unter Maria The­re­sia und deren Sohn Joseph II. blüh­ten Han­del, Hand­werk und Land­wirt­schaft auf. Die Abschaf­fung der Robot­pflicht im Jah­re 1848 trug dazu erheb­lich bei.

Es ent­stan­den ein Bezirks­ge­richt, Steu­er­amt, Zoll­amt, Eich­amt, Post- und Tele­gra­phen­amt, Volks- und Bür­ger­schu­le (1870/​72), Städ­ti­sche Spar­kas­se, Pfarr­amt, Spi­tal, Stif­tung für Armen­pfle­ge, Frei­wil­li­ge Feu­er­wehr, Schieß­stät­te, Spit­zen­klöp­pe­lei, land­wirt­schaft­li­che Berufs­schu­le (1908), Jahr- und Vieh­märk­te. Die Zucker­fa­brik nahm ihren Betrieb 1858 auf; die Schmal­spur­bahn Hot­zen­plotz – Röwers­dorf wur­de 1898 in Dienst gestellt. Eine neue Was­ser­lei­tung wur­de ver­legt und 1911 eine Gas­an­stalt gebaut. Die geplan­te Errich­tung einer Zünd­holz­fa­brik und einer Knopf­fa­brik konn­te nicht ver­wirk­licht wer­den. Auch das kul­tu­rel­le und das Ver­eins­le­ben blüh­ten auf. Es ent­stan­den ein Bezirks­leh­rer­ver­ein, Män­ner­ge­sang­ver­ein, Gemisch­ter Chor, Schüt­zen­ver­ein, Vete­ra­nen­ver­ein, Eis­lauf­ver­ein, Turn­ver­ein, Christ­li­cher Jugend­bund.Eine Gruß­kar­te

1880 hat­te Hot­zen­plotz 4012 Ein­woh­ner. Danach nahm die Bevöl­ke­rungs­zahl ab. Als Fol­ge der Grenz­zie­hung zum benach­bar­ten Ober­schle­si­en wur­de die neue Bahn­li­nie auf preu­ßi­scher Sei­te um Hot­zen­plotz her­um­ge­führt; die Schmal­spur­bahn Hot­zen­plotz – Röwers­dorf konn­te dies nicht aus­glei­chen. Die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung war davon betrof­fen; vie­le jun­ge Leu­te muss­ten Arbeit aus­wärts suchen oder wan­der­ten für immer ab.

Im Ers­ten Welt­krieg wur­den fast alle Män­ner von 18 bis über 50 Jah­ren zu den Waf­fen geru­fen. Vie­le von ihnen kehr­ten nicht mehr zurück. 1918 zer­fiel die k.u.k. Mon­ar­chie. Die Bezie­hun­gen nach Wien ris­sen ab, auch die Gren­ze zu Schle­si­en wur­de stär­ker spür­bar. Die 1850 gegrün­de­te Zucker­fa­brik war bis 1920 der größ­te Arbeit­ge­ber der Stadt, danach wur­de der Betrieb nach Zülz und Ober­glo­gau ins benach­bar­te Ober­schle­si­en verlegt.

Nach der Grün­dung der Tsche­cho­slo­wa­kei 1918 nach Kriegs­en­de war die Pra­ger Regie­rung bestrebt, die öffent­li­che Ver­wal­tung durch tsche­chi­sche Grenz­be­am­te, Gen­dar­men, Staats­po­li­zei, Post­be­am­te zu beset­zen. Von den Deut­schen wur­de erwar­tet, dass sie die tsche­chi­sche Spra­che erlern­ten. Eine enor­me Belas­tung war auch die gro­ße Arbeits­lo­sig­keit wäh­rend der Welt­wirt­schafts­kri­se der 1920er Jah­re, die zum größ­ten Teil deut­sche Arbeit­neh­mer betraf. Die Ein­woh­ner­zahl ging durch Abwan­de­rung auf etwa 2500 zurück; die jüdi­sche Gemein­de ver­schwand fast völ­lig. Die alte bau­fäl­li­ge Syn­ago­ge wur­de abgerissen.

In Voll­zug des Münch­ner Abkom­mens nah­men 1938 deut­sche Trup­pen die Stadt in Besitz und wur­den als Befrei­er begrüßt. Die Gren­ze zu Schle­si­en wur­de auf­ge­ho­ben, und es kam Hoff­nung auf eine Erho­lung der Wirt­schaft auf. Die Stadt im Land­kreis Jägern­dorf muss­te wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges Umsied­ler aus den besetz­ten Gebie­ten Wol­hy­ni­en und Bes­sa­ra­bi­en auf­neh­men. Eben­so wur­den luft­kriegs­ge­schä­dig­te und ‑gefähr­de­te Frau­en, Kin­der und alte Men­schen aus Ber­lin, Ham­burg und dem Ruhr­ge­biet einquartiert.

Gegen Ende des Zwei­ten Welt­kriegs kamen zu Beginn des Jah­res 1945 die vor der näher­rü­cken­den Front flüch­ten­den Men­schen aus Ober­schle­si­en mit Pfer­de- und Och­sen­ge­span­nen in die Stadt. Am 17. März 1945 stand die Rote Armee vor Hot­zen­plotz. Fast alle Ein­woh­ner der Stadt flo­hen über den Gal­gen­berg und Zot­tig in Rich­tung Altvatergebirge.

Hot­zen­plotz war hart umkämpft, mehr­fach wech­sel­ten die Besat­zer. Bei einer Pan­zer­schlacht wur­den etwa 200 sowje­ti­sche Pan­zer ver­nich­tet. Am 21. März besetz­te die Rote Armee Hot­zen­plotz end­gül­tig. Was nicht durch Artil­le­rie zer­stört war, wur­de Opfer eines Bran­des. Die Fron­ten hiel­ten sich am Zot­ti­ger Berg bis zum 7. Mai 1945.

Im Mai und Juni 1945 kehr­te die nach Nord­mäh­ren und ins Alt­va­ter­ge­biet geflo­he­ne Bevöl­ke­rung nach und nach in die zer­stör­te Stadt zurück. Die meis­ten Häu­ser waren nicht mehr bewohn­bar; viel­fach wur­den Quar­tie­re in den Trüm­mern ein­ge­rich­tet. Nach Kriegs­en­de wur­den alle männ­li­chen deut­schen Per­so­nen von 14 bis 60 Jah­ren zur Zwangs­ar­beit ver­pflich­tet. Sie kamen in die Koh­len­berg­wer­ke nach Ost­ra­va oder ins böh­mi­sche Lan­des­in­ne­re. Im Früh­jahr 1946 begann die Ver­trei­bung der deut­schen Bevöl­ke­rung aus Osob­laha. In Vieh­wag­gons mit jeweils 40 Per­so­nen gin­gen bis zum Herbst 1946 Trans­por­te von Jägern­dorf (Krnov) aus nach Bay­ern, Baden-Würt­tem­berg und Hessen.

Das Zen­trum der Stadt wur­de am Ende des Zwei­ten Welt­kriegs völ­lig zer­stört. Am Ein­gang zum Ring­platz erin­nert ein sowje­ti­sches Abwehr­ge­schütz an die lan­gen Kämp­fe und den Sieg der Roten Armee über die Wehrmacht.

Deutsch Paulowitz

Wappen von Deutsch-Paulowitz
Wap­pen von Deutsch-Pau­lo­witz; gemeinfrei

Um 1250 wur­de in die­ses Gebiet durch das Bis­tum Olmütz das Dorf Deutsch Pau­lo­witz. Ursprüng­lich soll eine Fami­lie das Lehen Deutsch Pau­lo­witz beses­sen haben, die sich „de Paul­witz“ nann­te. Um 1379 wur­de ein Heÿn­ko von Pau­lo­witz als Lehns­herr zu Deutsch Pau­lo­witz erwähnt. Im 15. und 16. Jahr­hun­dert besaß die Fami­lie Wrb­na die­ses Lehn­gut. Schließ­lich ver­pfän­de­te im Jah­re 1571 ver­pfän­det der Bischof Wil­helm die­ses Gut an Georg von Steins­berg. Ab 1574 wur­de die Fami­lie Stoltz von Sims­dorf mit die­sem Gut belehnt. Um 1609 ver­kauf­te die­se das Gut an Johann Georg Kotu­lin­sky von Kotu­lin und Fried­berg. Im Jahr 1649 fiel das Lehn­gut wie­der an das Bis­tum, bis es 1653 dem Sebald von Vier­baum als ver­erb­li­ches Lehen gewährt wur­de. Des­sen Kin­der besa­ßen das Gut bis 1677. 1684 über­ließ dann Bischof Karl Graf von Lich­ten­stein dem Maxi­mi­li­an von Bees die­ses Lehn­gut. 1766 kauf­te es Johann Frei­herr von Mat­ten­clo­it der Fami­lie von Bees ab. Die Mat­ten­cloits besa­ßen das Gut bis 1923. Die Fami­lie Just erwarb 1923 das Gut und war bis 1945 Eigentümer.

Im Juni 1946 wur­den die meis­ten Bewoh­ner des Dorfs zwangsausgesiedelt.

Glemkau

Wappen von Glemkau
Wap­pen von Glem­kau; gemeinfrei

Die ers­te schrift­li­che Erwäh­nung des zur Hot­zen­plot­zer Herr­schaft in der mäh­ri­schen Exkla­ve des Bis­tums Olmütz gehö­ri­gen Dor­fes Glyník erfolg­te im Jah­re 1267. Im Jahr 1389 wur­de der Ort als Glin­ka bezeich­net. 1512 wur­de erst­mals in den bischöf­li­chen Lehn­ta­feln eine Fes­te in Glin­ka genannt. Zwi­schen 1593 und 1594 ver­kauf­te Hynek d. Ä. von Wür­ben und Freu­den­thal das Gut Glin­ka für 500 Gul­den an Jan d. Ä. Sedlnitz­ky von Chol­ti­tz, der es sei­ner Herr­schaft Mai­del­berg zuschlug. Nach­fol­gend erlosch die Fes­te und Glin­ka wur­de ein Teil Schle­si­ens. Nach der Schlacht am Wei­ßen Berg wur­de 1622 der Besitz von Karl Chris­toph von Sedlnitz­ky auf Mai­del­berg kon­fis­ziert und die Herr­schaft dem Deutsch­rit­ter­or­den über­ge­ben. Infol­ge der Tei­lung Schle­si­ens lag das Dorf ab 1742 an der Gren­ze zu Preu­ßisch Schle­si­en. 1768 erwarb der Mal­te­ser­or­den die Herr­schaft Mai­del­berg, dem sie bis 1918 gehörte.

Nach Faus­tin Ens zähl­te das Dorf 1837 ins­ge­samt 76 höl­zer­ne Wohn­häu­ser, ein Wohn­ge­bäu­de für den herr­schaft­li­chen Kas­t­ner, ihm war die Ver­wal­tung des herr­schaft­li­chen Getrei­de­spei­chers anver­traut, und einen Mei­er­hof, bei wel­chem eine Her­de Mut­ter­scha­fe und Rin­der auf­ge­stellt waren. Die Dorf­schaft bestand aus einem Erbrich­ter, 24 Bau­ern und zusam­men 627 Ein­woh­nern, wel­che alle deutsch und katho­lisch waren. Die Bewoh­ner von Glem­kau gehör­ten ab der jose­phi­ni­sche Pfarr­re­form von 1780 zur Pfar­re Hot­zen­plotz, vor­her zur wesent­lich wei­ter ent­fern­ten Pfar­re Pit­tarn. In frü­he­ren Zei­ten bis 1780 besuch­ten die Kin­der von Glem­kau die Pfarr­schu­le zu Hot­zen­plotz. Spä­ter wur­den sie und die Kin­der von Deutsch-Pau­lo­witz von einem „Gai­leh­rer“ (Wan­der­leh­rer) Johann Rot­ter zu je 1/​2 Tag abwech­selnd hier und dort unter­rich­tet. Dafür muss­ten die Eltern monat­lich 10 Kreu­zer Con­ven­ti­ons­mün­ze und die Mit­tags­kost ent­rich­ten. Als ers­ter geprüf­ter Leh­rer erscheint 1810 Anton Rot­ter aus Pit­tarn, im Jah­re 1816 Johann Hell­mann aus Hotzenplotz.

Nach der Auf­he­bung der Patri­mo­ni­al­herr­schaf­ten bil­de­te Glemkau/​Hlinka bis zum Jah­re 1867 mit Deutsch Pau­lo­witz eine Gemein­de in der Bezirks­haupt­mann­schaft Jägern­dorf. Danach Glem­kau bil­de­te mit der Colo­nie Rül­le­häusl und dem Mei­er­hof Wür­ben eine selb­stän­di­ge Gemein­de. Die Haupt­nah­rungs­quel­len der Bewoh­ner waren immer der Acker­bau und die Vieh­zucht. Der Boden der Gemein­de hat frucht­ba­re Fel­der, aber wenig Wie­sen, dafür einen aus­ge­dehn­ten Laub- und Nadel­wald. Es gab auch gro­ße, zumeist gepfleg­te Obst­gär­ten. Bei der Vieh­zucht leg­te man beson­de­res Gewicht auf die Pfer­de­zucht. Ab 1889 stand zur Ver­ede­lung der Pfer­de­ras­se in Rül­le­häusl ein k.u.k. Ärari­scher Hengst (Staats­hengst) in Privatpflege.

Im Jah­re 1880 zähl­te Glem­kau mit den Rül­le­häu­sern und dem Wür­ben­hof ins­ge­samt 601 Ein­woh­ner, die in 79 Häu­sern leb­ten. Einem Pro­tes­tan­ten stan­den 600 Katho­li­ken gegen­über. Alle Ein­woh­ner spra­chen deutsch. Im sel­ben Jah­re wur­de ein eige­nes Schul­haus ein­ge­weiht. Im Jah­re 1900 wur­de in Glem­kau eine Abtei­lung der k.u.k. Finanz­wa­che sta­tio­niert, die den Grenz­schmug­gel unter­bin­den soll­te. Im Jah­re 1925 ent­stand ein Zoll­amt. 1930 hat­te die Gemein­de 435 Ein­woh­ner, dar­un­ter waren 18 Tsche­chen. Mit dem Münch­ner Abkom­men wur­de Glem­kau 1938 in das Deut­sche Reich ein­ge­glie­dert und gehör­te bis 1945 zum Land­kreis Jägern­dorf. 1939 leb­ten in Glem­kau 459 Men­schen. Nach dem Zwei­ten Welt­krieg wur­de die Gren­ze von 1938 wie­der­her­ge­stellt und die deut­schen Bewoh­ner wur­den ver­trie­ben. Ende 1960 erfolg­te die Auf­lö­sung des Okres Krnov und Hlin­ka wur­de dem Okres Brun­tál zuge­ord­net. 1980 wur­de Hlin­ka nach Osob­laha ein­ge­mein­det. Seit 1990 besteht die Gemein­de Hlin­ka wieder.

Für die Gemein­de Hlin­ka sind kei­ne Orts­tei­le aus­ge­wie­sen. Zu Hlin­ka gehö­ren die Ansied­lun­gen Nové Vrb­no (Wür­ben­hof) und Ryl­ov­ka (Rül­len­häu­ser).

Stubendorf

Stu­ben­dorf lag ca. 3 km nord­west­lich von Hot­zen­plotz im nörd­lichs­ten Tei­le der ehe­ma­li­gen mäh­ri­schen Enkla­ve unmit­tel­bar an der Gren­ze zu Polen (frü­her Oberschlesien).

Im Jahr 1790 gab es dort 34 Häu­ser mit 177 Ein­woh­ner, 1835 waren es 26 Häu­ser mit 173 Ein­woh­ner und 1880 exis­tier­ten 27 Häu­ser mit 197 Einwohner.1939 leb­ten dort 176 Einwohner.

Mit Ende des Zwei­ten Welt­kriegs und der Zwangs­aus­sied­lung im Juni 1946 ver­fiel die Ort­schaft all­mäh­lich. 1971 ver­lor Stu­ben­dorf den Sta­tus eines Dorfs.Heute gibt es nur noch zwei bewohn­te Häu­ser und ein wenig Rui­nen, u. a. auch die Kapel­le von Stu­ben­dorf. Ansons­ten hat sich die Natur die­se Flä­che zurück­ge­holt oder die frei­en Flä­chen wer­den als Acker genutzt.

Weiterführende Quellen

Für das Titel­bild wur­de ver­wen­det: Ring­platz von Hot­zen­plotz mit Rat­haus und Bezirks­ge­richt; aus einer Ansichts­kar­te; PD-alt-100

Michael de Radobýl

Ahnenforscher seit 2010, Nachwuchsförderer seit 2014, Projektgründer seit 2015, Relauchner seit 2019, nobilis arbiter honorarius medium seit 2020.Die Spuren meiner Ahnen lassen sich über verschiedene Gebiete in Ost- und Westeuropa zurückverfolgen. Mütterlicherseits habe ich Vorfahren aus Sachsen, Hessen, Wittgenstein, Preußen, durch Zuwanderer aus der Schweiz und Südtirol, sowie aus dem Adel bis ins frühe 6. Jahrhundert in verschiedene Teilen Westeuropas. Väterlicherseits kommen meine Vorfahren aus Sachsen, Brandenburg und durch erste Hinweise auch aus Böhmen und dem sorbischen Bereich. Viele Ahnenzweige väterlicherseits sind allerdings noch unerforscht.

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