Online-OFB „Hesseneck“ am 26.09.2021 veröffentlicht

Quell- und Wallfahrtskirche zu Schöllenbach
Quell- und Wallfahrtskirche zu Schöllenbach; Reiner Müller; CC BY-SA 3.0

Das Online-OFB „Hes­sen­eck“ wur­de am 26. Sep­tem­ber 2021 ver­öf­fent­licht. Der­zeit sind 17.594 Per­so­nen vor­han­den, die in 4.141 Fami­li­en geglie­dert sind.

Geografische Lage

Lage von Hesseneck
Lage von Hesseneck

Hes­sen­eck ist eine ehe­ma­li­ge Gemein­de im süd­hes­si­schen Oden­wald­kreis. Mit nur 640 Ein­woh­nern (Stand: 31. Dezem­ber 2015) auf 29,98 km² war Hes­sen­eck die kleins­te eigen­stän­di­ge Gemein­de Hes­sens. Sie lag am Drei­län­der­eck Hes­sens mit Bay­ern und Baden-Würt­tem­berg. Die Auf­lö­sung erfolg­te am 1. Janu­ar 2018 durch die Fusi­on zur neu­en Stadt Ober­zent.

Hes­sen­eck hat­te eine Höhe von 285 m ü. NHN und war die süd­öst­lichs­te Gemein­de des Oden­wald­krei­ses. Sie lag im Bunt­sand­stein­ge­biet des Oden­wal­des an den Quell­bä­chen und dem Mit­tel­lauf der Itter, die bei Eber­bach in den Neckar mün­det. Zwi­schen Hes­sen­eck und dem Kern­ge­biet des Oden­wald­krei­ses im Müm­ling­tal erhebt sich der Kräh­berg (554,9 m ü. NN) mit der Pass­hö­he Reu­ßen­kreuz (515 m ü. NN). Die höchs­te Erhe­bung im Gemein­de­ge­biet war die Hohe Lang­häl­de (548,3 m ü. NN) öst­lich des Orts­teils Hes­sel­bach an der badi­schen Lan­des­gren­ze. Die am tiefs­ten gele­ge­ne Stel­le ist die Ein­mün­dung des Rin­den­grun­des in die Itter mit etwa 205 m ü. NN.

Die Gemein­de bestand aus fol­gen­den Orts­tei­len: Hes­sel­bach, Kail­bach und Schöl­len­bach (Sitz der Gemeindeverwaltung).

Kurzinfo zum Online-OFB

Der Bear­bei­ter des Online-OFB ist Man­fred Heiss. Er ist Bear­bei­ter eini­ger wei­te­rer Online-OFBs, u.a. das Online-OFB „Ebers­berg (Erbach)“, das Online-OFB „Schön­nen“, das Online-OFB „Ober-Mos­s­au/­Un­ter-Mos­sau“ oder das Online-OFB „Hil­ter­s­klin­gen“.

Der ein­lei­ten­de Text ist kurz geschrie­ben und gibt klei­ne Ein­bli­cke in die Geschich­te der Gemein­de Hes­sen­eck wie­der. Wei­ter­hin erfährt der Leser eben­falls ein paar wich­ti­ge Infor­ma­tio­nen über die als Quel­len zugrun­de lie­gen­den Kir­chen­bü­cher und deren Kir­chen­ge­mein­den. Zum Abschluss des ein­lei­ten­den Tex­tes geht der Bear­bei­ter kurz auf ein paar wirt­schaft­li­che Aspek­te ein.

Als genea­lo­gi­sche Pro­gramm für die Erstel­lung des Online-OFB wur­de GES verwendet.

Screenshot des Online-OFB "Hesseneck" (Stand: 26.09.2021)
Screen­shot des Online-OFB „Hes­sen­eck“ (Stand: 26.09.2021)

Geschichtliches

Das fol­gen­de Unter­ka­pi­tel ist ein Aus­zug aus dem zuge­hö­ri­gen Wiki­pe­dia-Arti­kel (sie­he Quel­len). Die­ser Aus­zug wur­de bei Bedarf für eine schnel­le­re Les­bar­keit unter Umstän­den etwas gekürzt und angepasst.

Wappen der ehemaligen Gemeinde Hesselbach
Wap­pen der ehe­ma­li­gen Gemein­de Hesselbach

Im Zuge der Gebiets­re­form in Hes­sen fusio­nier­ten am 1. Okto­ber 1971 die bis dahin selb­stän­di­gen Gemein­den Hes­sel­bach, Kail­bach und Schöl­len­bach frei­wil­lig zur neu­en Gemein­de Hesseneck.

Sin­ken­de Ein­woh­ner­zah­len und wirt­schaft­li­che Grün­de führ­ten zu Bestre­bun­gen, die Gemein­den Hes­sen­eck, Beer­fel­denRothen­berg und Sen­s­bach­tal zum 1. Janu­ar 2018 zu einer Kom­mu­ne mit dem Namen Ober­zent zusam­men­zu­schlie­ßen. In Bür­ger­ent­schei­den am 6. März 2016 stimm­ten die Bür­ger der vier Gemein­den jeweils mehr­heit­lich dafür. Bei einer Abstim­mungs­be­tei­li­gung von 77,4 % betrug in Hes­sen­eck die Mehr­heit 88,7 % der abstim­men­den Bür­ger. Die drei Orte von Hes­sen­eck wur­den Stadt­tei­le der neu­en Stadt Ober­zent. Für sie wur­de ein gemein­sa­mer Orts­be­zirk mit Orts­bei­rat und Orts­vor­ste­her nach der Hes­si­schen Gemein­de­ord­nung ein­ge­rich­tet. Die Post­leit­zahl 64754 für Hes­sen­eck wur­de mit dem Zusam­men­schluss obsolet.

Geschichtliches über Hesselbach

Wie in der gesam­ten Regi­on gibt es auch in der Gemar­kung Hes­sel­bach kei­ne Spu­ren vor­rö­mi­scher, mensch­li­cher Besied­lung. Die seit jeher mit nur wenig frucht­ba­ren Böden bedeck­te, von dich­ten Wäl­dern bewach­se­ne Regi­on bot den Men­schen der Früh­zeit kei­ner­lei Anreiz, sich dort aufzuhalten.

Erst etwa vom Jahr 100 bis zum Jahr 160 n. Chr. wur­de der Platz, an dem spä­ter Hes­sel­bach ent­ste­hen soll­te, Stand­ort einer römi­schen Grenz­gar­ni­son des heu­te so genann­ten Oden­wald­li­mes. In die­ser Zeit befand sich dort die For­ti­fi­ka­ti­on eines Nume­rus, einer zwei Cen­tu­ri­en, also rund 160 Mann star­ken Auxi­li­ar­ein­heit. Die unter der Lei­tung von Diet­wulf Baatz ste­hen­den Kas­tell­gra­bun­gen der Jah­re 1966 bis 1968 und die dar­aus resul­tie­ren­de Publi­ka­ti­on waren weg­wei­send für die Pro­vin­zi­al­römi­sche Archäo­lo­gie und mach­ten Hes­sel­bach zum „Refe­renz­kas­tell“ für den gesam­ten Odenwaldlimes.

Die nach dem Ende der römi­schen Herr­schaft im Jah­re 260 fol­gen­den Jahr­hun­der­te bis zum hohen Mit­tel­al­ter lie­gen wie­der im Dun­keln. Weder schrift­li­che noch archäo­lo­gi­sche Quel­len geben Zeug­nis von einer mög­li­chen Besied­lung. Ver­mut­lich war die Gegend sied­lungs­leer. Zwar dran­gen die nach den Ala­man­nen ab dem 5. Jahr­hun­dert das Land beherr­schen­den Fran­ken tief in den Oden­wald ein, sie­del­ten dort und teil­ten das Gebiet in Gaue ein. Ihre Besied­lungs­ak­ti­vi­tä­ten beschränk­ten sich jedoch auf Gegen­den mit aus­rei­chend frucht­ba­ren Böden. Der Hin­te­re Oden­wald mit sei­nen kar­gen Bunt­sand­stein­bö­den bot ihnen kei­ne aus­rei­chen­de wirt­schaft­li­che Basis.

Hes­sel­bach wur­de ver­mut­lich zwi­schen dem 10. und dem 12. Jahr­hun­dert durch das Bene­dik­ti­ner­klos­ter Amor­bach auf einer neu gero­de­ten Flä­che etwas abseits des ehe­ma­li­gen Kas­tell­plat­zes gegrün­det und als Wald­hu­fen­dorf ange­legt. Form und Lage der Hufen (oder „Hub­en“) las­sen sich noch heu­te im sied­lungs­geo­gra­fi­schen Bild und in Flur­kar­ten deut­lich erken­nen. Sie erstreck­ten sich in lan­gen, schma­len Strei­fen zwi­schen den Gemar­kungs­gren­zen. Ihre Grö­ße betrug in Abhän­gig­keit von der Boden­qua­li­tät zwi­schen 15 und 40 Hekt­ar. Sie waren so bemes­sen, dass sie jeweils einer Bau­ern­fa­mi­lie die Exis­tenz sicher­ten. Der Auf­bau der Hufen von Gemar­kungs­gren­ze zu Gemar­kungs­gren­ze folg­te dem Sche­ma Wald – Acker­land – Wie­se – Baum­gar­ten – Hof­rei­te – Baum­gar­ten – Wie­se – Acker­land – Wald, wobei die Hof­rei­te mit Brun­nen an der tiefs­ten Stel­le des Gelän­des lag. Von­ein­an­der waren die Hub­en durch Hecken, Zäu­ne oder so genann­te Stell­stei­ne (vgl. wei­ter unten) getrennt.

Ab dem 12. Jahr­hun­dert schei­nen die Her­ren von Dur­ne als Besit­zer der so genann­ten „Obe­ren Cent“, auf deren Gebiet sich Hes­sel­bach befand, für das Dorf eine gewis­se Rol­le gespielt zu haben, bis sie im Jahr 1271 ihre Rech­te an das Erz­bis­tum Mainz ver­kauf­ten, bei dem die Lan­des­herr­schaft bis 1803 ver­blieb. Dane­ben besa­ßen aber auch das Klos­ter Amor­bach und ins­be­son­de­re, seit der Mit­te des 14. Jahr­hun­derts als Lehen der Kur­pfalz, die Schen­ken und spä­te­ren Gra­fen von Erbach als Grund­her­ren und Besit­zer der „Unte­ren Cent“ weit­ge­hen­de Rech­te an dem Ort. Die ers­te urkund­li­che Erwäh­nung Hes­sel­bachs erfolg­te 1334 unter dem Namen Hesel­buch. Wäh­rend die obe­re Gerichts­bar­keit bis zum begin­nen­den 19. Jahr­hun­dert kon­ti­nu­ier­lich beim Erz­bis­tum Mainz – aus­ge­übt durch Mudau als Haupt­ort der „Mudau­er Cent“ – ver­blieb, sorg­ten die kom­pli­zier­ten Besitz­ver­hält­nis­se zwi­schen dem Klos­ter Amor­bach und dem Hau­se Erbach für per­ma­nen­ten Streit um die Zustän­dig­keit für die unte­re Gerichts­bar­keit in Hes­sel­bach und die dar­aus resul­tie­ren­den Einkünfte.

1395 bestand Hes­sel­bach aus 13 Hufen, 1440 aus 15 Hufen und einer „Hof­statt“ ohne grö­ße­ren Grund­be­sitz. Auf der einen Sei­te hat­te sich der Hof­be­stand durch Erb­tei­lung zwar erhöht, auf der ande­ren Sei­te befan­den sich aber meh­re­re Hufen in einer Hand, so dass man ins­ge­samt von einem schwa­chen Bevöl­ke­rungs­rück­gang aus­ge­hen kann. Zu die­ser Zeit hat­te der Schult­heiss des Klos­ters Amor­bach den Vor­sitz bei den Zent­ge­rich­ten. Die Ein­nah­men aus deren ver­häng­ten Geld­bu­ßen wur­den im Ver­hält­nis zwei Drit­tel zu ein Drit­tel zwi­schen Amor­bach und Erbach geteilt und auch bei der Auf­tei­lung des gro­ßen und des klei­nen Zehnts kam die­ser Ver­tei­lungs­schlüs­sel zur Anwendung.

Bedingt durch sei­ne Zuge­hö­rig­keit zum Klos­ter Amor­bach blieb Hes­sel­bach wäh­rend der Refor­ma­ti­on (ab 1517) katho­lisch, im Gegen­satz zu allen ande­ren Dör­fern der Graf­schaft Erbach.

Bedeu­ten­de Ereig­nis­se des Deut­schen Bau­ern­kriegs (1525), wie die Ernen­nung Götz von Ber­li­chin­gens zum Haupt­mann des „Oden­wäl­der Hau­fens“ in Buchen, die Erstür­mung und Plün­de­rung Amor­bachs und der Burg Wil­den­berg spiel­ten sich zwar in der nächs­ten Umge­bung Hes­sel­bachs ab, jedoch ohne dass der Ort unmit­tel­bar in Mit­lei­den­schaft gezo­gen wur­de. Wobei natür­lich nicht aus­zu­schlie­ßen ist, dass sich der ein oder ande­re unzu­frie­de­ne Hes­sel­ba­cher Bau­er an den Aktio­nen der Auf­stän­di­schen betei­ligt haben mag.

Im Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg, des­sen mit­tel­ba­re Fol­gen – wie Hun­gers­nö­te und Seu­chen – die Bevöl­ke­rung nahe­zu aus­rot­te­ten, lag der Ort für etwa 15 Jah­re wüst, nach­dem er durch Feu­er völ­lig zer­stört wor­den war. Unge­si­chert ist die Über­lie­fe­rung, nach dem Krie­ge habe nur noch eine Fami­lie in Hes­sel­bach gelebt. Vom begin­nen­den Wie­der­auf­bau zeug­te die Inschrift –AN 1662 NO– auf dem Eichen­bal­ken eines Hes­sel­ba­cher Hau­ses, die bis zu einer Reno­vie­rungs­maß­nah­me 1934 noch zu sehen gewe­sen sein soll. Aus den Jah­ren 1656 und 1668 lie­gen Urkun­den vor, denen zufol­ge Hes­sel­bach je zur Hälf­te dem Klos­ter Amor­bach und der Graf­schaft Erbach gehör­te (1656), bzw. dass die­se sich die Nie­de­re Gerichts­bar­keit zu tei­len hat­ten (1668). Der Erz­bi­schof von Mainz besaß die aus­schließ­li­chen Jagd­rech­te (1656) und die durch Mudau aus­ge­üb­te Hohe Gerichts­bar­keit (1668), der Kir­chen­be­such der Hes­sel­ba­cher muss­te in Mudau erfol­gen (1656). Eine neue, eige­ne Kir­che wur­de erst 1766 erbaut (vgl. wei­ter unten).

1803 wur­de Hes­sel­bach vor­über­ge­hend dem kurz­le­bi­gen Fürs­ten­tum Lei­nin­gen zuge­schla­gen, bevor es 1806 zum Bestand­teil des Groß­her­zog­tums Hes­sen wur­de. In der Fol­ge gehör­te es zu des­sen Nach­fol­ge­staa­ten, von 1918 bis 1934 zum Volks­staat Hes­sen und – nach kur­zer Zuge­hö­rig­keit zum Nazi-Gau Hes­sen-Nas­sau (1934 bis 1945) und zur Ame­ri­ka­ni­schen Besat­zungs­zo­ne (1945 bis 1949) – seit 1949 zum Bun­des­land Hessen.

Die Jah­re um die Mit­te des 19. Jahr­hun­derts brach­ten lan­des­weit gro­ße Teue­rungs­ra­ten mit sich, durch die es auch in Hes­sel­bach zu hef­ti­gen sozia­len Schief­la­gen kam. Der Bür­ger­meis­ter des Dor­fes muss­te auf Geheiß des Land­rats­am­tes Erbach gro­ße Men­gen Lebens­mit­tel kau­fen, um sie der ärme­ren Bevöl­ke­rung kos­ten­los zu über­las­sen. Etwa zeit­gleich wand­te er sich sei­ner­seits an das Land­rats­amt mit der Bit­te um die Lie­fe­rung von Spinn­rä­dern, mit denen sich bedürf­ti­ge Ein­woh­ner ihren Lebens­un­ter­halt erwirt­schaf­ten soll­ten. Eine wei­te­re Fol­ge des sozia­len Elends im 19. Jahr­hun­dert war ein dras­ti­scher Anstieg der Gebur­ten von unehe­li­chen Kin­dern. Hat­te in Hes­sel­bach deren Anteil an den Gesamt­ge­bur­ten in den 1810er Jah­ren noch bei 9 % gele­gen, so stieg er in den fol­gen­den Jahr­zehn­ten kon­ti­nu­ier­lich an, bis er in den 1850er Jah­ren mit 31 % sei­nen Höhe­punkt erreich­te. Erst gegen Ende des 19. Jahr­hun­derts nor­ma­li­sier­te sich die Situa­ti­on wieder.

1905 erhielt der Ort Anschluss ans Tele­fon­netz, 1927 erfolg­te die Elek­tri­fi­zie­rung. Im Herbst 1922 leg­te eine Was­ser­knapp­heit nicht gekann­ten Aus­ma­ßes das Dorf­le­ben lahm. Trink­was­ser muss­te in Schöl­len­bach aus der Euter in Fäs­ser gepumpt wer­den, die mit­tels Pfer­de­fuhr­wer­ken müh­se­lig nach Hes­sel­bach geschafft wur­den. Eine ähn­lich star­ke Tro­cken­heit gab es noch ein­mal im Jahr 1976.

Die bei­den Welt­krie­ge for­der­ten auch in Hes­sel­bach ihren Tri­but. Der Ers­te Welt­krieg kos­te­te sie­ben Män­nern aus Hes­sel­bach das Leben, aus dem Zwei­ten Welt­krieg kehr­ten eben­falls sie­ben gefal­le­ne und zusätz­lich fünf ver­miss­te Hes­sel­ba­cher nicht zurück. Durch die Auf­nah­me von zahl­rei­chen eva­ku­ier­ten Aus­ge­bomb­ten stieg die Bevöl­ke­rungs­zahl den­noch von 225 in den Jah­ren 1935 und 1939 auf 291 im Jahr 1945 (+ 66). Auf die bei Kriegs­en­de in ihre Städ­te zurück­keh­ren­den Bom­ben­op­fer folg­ten ab 1946 ins­ge­samt 52 Hei­mat­ver­trie­be­ne, deren Zahl sich jedoch infol­ge der in Hes­sel­bach kaum vor­han­de­nen Erwerbs­mög­lich­kei­ten schon bis 1949 wie­der deut­lich reduzierte.

Geschichtliches über Kailbach

Im Jah­re 1359 wur­de Kail­bach (unter dem Namen Keil­bach) erst­mals urkund­lich erwähnt. Die ers­ten Häu­ser stan­den wohl auf der Ost­sei­te des Itter­ba­ches der damals die Gren­ze zwi­schen den Besit­zun­gen der Klös­ter Lorsch und Amor­bach bildete.

Selbst als das Gebiet im Jah­re 1806 zum Groß­her­zog­tum Hes­sen über­ge­ben wur­de, blieb die Tren­nung noch bestehen. Es gab Kail­bach dies­seits, das zur Gemein­de Schöl­len­bach gehör­te und Kail­bach jen­seits, das ein Teil von Hes­sel­bach war. Erst als sich im Zuge der Gebiets­re­form in Hes­sen am 1. Okto­ber 1971 die bis­her selb­stän­di­gen Gemein­den Hes­sel­bach, Kail­bach und Schöl­len­bach frei­wil­lig zur neu­en Gemein­de Hes­sen­eck zusam­men­ge­schlos­sen, wur­den bei­de Tei­le vereinigt.

Geschichte über Schöllenbach

Die ers­te urkund­li­che Erwäh­nung Schöl­len­bachs stammt aus dem Jahr 1344. Zu die­sem Zeit­punkt erwarb der Schenk Kon­rad zu Erbach das damals Schel­lin­bach genann­te Dorf von dem ihm gegen­über sub­al­ter­nen Edel­knecht Arnold von Frei­en­stein. In wei­te­re Urkun­den des 14. Jahr­hun­derts erscheint der Ort in den Schreib­wei­sen Schel­len­buch (1366), Schel­lin­buch (1370) und Scheln­buch (1398), in Doku­men­ten des 15. Jahr­hun­derts in den For­men Schelm­bach (1462), Sche­lin­bach (nicht näher datiert) und Scheln­bach (1487) sowie in Zeug­nis­sen des 16. Jahr­hun­derts ein­mal erneut als Scheln­bach (1553) und ein­mal als Scheln­pach (nicht näher datiert).[1]

In der zwei­ten Hälf­te des 15. Jahr­hun­derts wur­de – ver­mut­lich an der Stel­le einer älte­ren Kapel­le – über einer Quel­le eine drei­schif­fi­ge Kir­che mit gro­ßem Chor­kreuz­ge­wöl­be im spät­go­ti­schen Stil erbaut und im Jah­re 1465 vom Schen­ken Phil­ipp IV. zu Erbach ein­ge­weiht. Da dem Was­ser heil­sa­me Wir­kung nach­ge­sagt wur­de und weil ein in der Kir­che ange­brach­tes Mari­en­bild als wun­der­tä­tig galt, ent­wi­ckel­te sich schon bald eine rege, vom Lan­des­her­ren geför­der­te Wall­fahrt zur Schöl­len­ba­cher Kir­che. 1480 erfolg­te die Auf­stel­lung zwei­er wei­te­rer Altä­re zu Sei­ten des Mari­en­al­tars. Graf Eber­hard XIII. von Erbach stif­te­te schließ­lich anläss­lich sei­ner Hoch­zeit mit Maria von Wert­heim den 1515 fer­tig­ge­stell­ten, geschnitz­ten und reich ver­zier­ten Schöl­len­ba­cher Altar, auf dem der Stamm­baum des Chris­tus dar­ge­stellt ist, die so genann­te Wur­zel Jes­se. Nach­dem Erbach 1560 die Refor­ma­ti­on ein­ge­führt hat­te, gin­gen die Wall­fahr­ten dras­tisch zurück und die Kir­che ver­fiel all­mäh­lich. Der Altar wur­de bereits Anfang des 17. Jahr­hun­derts nach Erbach geschafft, wo er sich noch heu­te (2014) befin­det. Krie­ge und Seu­chen zogen Dorf und Kir­che wei­ter in Mit­lei­den­schaft, so dass schließ­lich bis ins 18. Jahr­hun­dert hin­ein nur noch eine gro­ße Kir­chen­rui­ne übrig geblie­ben war. Die­ser Kirch­bau, der zu guter Letzt auch kein Dach mehr auf­wies, wur­de als Toten­ka­pel­le genutzt. Erst 1782 wie­der kon­stru­ier­te man unter Ver­wen­dung des noch bestehen­den Mau­er­werks aber mit deut­lich redu­zier­tem Grund­riss die Kir­che in ihrer heu­ti­gen Gestalt.

Seit etwa 1700 (mög­li­cher­wei­se schon frü­her) bestand im süd­li­chen Schöl­len­bach eine Ham­mer­schmie­de, der so genann­te „Schöl­len­ba­cher Ham­mer“. Das zur Pro­duk­ti­on benö­tig­te Roh­ei­sen wur­de aus Uslar am Ran­de des Sol­ling bezo­gen. Der ers­te Ham­mer­herr, Georg Schick, über­gab den Betrieb 1718 sei­nen bei­den Söh­nen. 1748 wur­de das Werk von Johann Micha­el Rex­roth über­nom­men, 1757 ging es an die Brü­der Johann Lud­wig und Johann Adam Rex­roth über. Ihre Nach­kom­men führ­ten den Betrieb, bis er 1839 von Johann Lud­wig Rex­roth über­nom­men wur­de. 1870 wur­de der Ham­mer­be­trieb ein­ge­stellt und die Anla­ge in ein Säge­werk umge­wan­delt. Heu­te wird sie nur noch zu Wohn­zwe­cken genutzt.

Nach­dem der hes­si­sche Teil Schöl­len­bachs jahr­hun­der­te­lang in Erbach’schem Besitz gewe­sen war, gelang­te der Ort mit der Auf­lö­sung der Erba­cher Herr­schaft durch den Reichs­de­pu­ta­ti­ons­haupt­schluss 1806 zum Groß­her­zog­tums Hes­sen. In der Fol­ge gehör­te es zu des­sen Nach­fol­ge­staa­ten, von 1918 bis 1934 zum Volks­staat Hes­sen und – nach kur­zer Zuge­hö­rig­keit zum Nazi-Gau Hes­sen-Nas­sau (1934 bis 1945) und zur Ame­ri­ka­ni­schen Besat­zungs­zo­ne (1945 bis 1949) – seit 1949 zum Bun­des­land Hessen.

Weiterführende Quellen

Für das Titel­bild wur­de ver­wen­det: Quell- und Wall­fahrts­kir­che zu Schöl­len­bach; Rei­ner Mül­ler; CC BY-SA 3.0

Michael de Radobýl

Ahnenforscher seit 2010, Nachwuchsförderer seit 2014, Projektgründer seit 2015, Relauchner seit 2019, nobilis arbiter honorarius medium seit 2020.Die Spuren meiner Ahnen lassen sich über verschiedene Gebiete in Ost- und Westeuropa zurückverfolgen. Mütterlicherseits habe ich Vorfahren aus Sachsen, Hessen, Wittgenstein, Preußen, durch Zuwanderer aus der Schweiz und Südtirol, sowie aus dem Adel bis ins frühe 6. Jahrhundert in verschiedene Teilen Westeuropas. Väterlicherseits kommen meine Vorfahren aus Sachsen, Brandenburg und durch erste Hinweise auch aus Böhmen und dem sorbischen Bereich. Viele Ahnenzweige väterlicherseits sind allerdings noch unerforscht.

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