Online-OFB „Wittgensteiner Land“ am 06.06.2021 veröffentlicht

Bad Laasphe in Südwittgenstein
Bad Laasphe in Südwittgenstein, von Dbawwsnrw; gemeinfrei

Das Online-OFB „Witt­gen­stei­ner Land“ wur­de am 06. Juni 2021 ver­öf­fent­licht. Der­zeit sind 151.954 Per­so­nen vor­han­den, die in 41.846 Fami­li­en geglie­dert sind.

Geografische Lage

Lage vom Wittgensteiner Land
Lage vom Witt­gen­stei­ner Land

Das Witt­gen­stei­ner Land (häu­fig auch als Witt­gen­stein gezeich­net) ist eine in Nord­rhein-West­fa­len gele­ge­ne Regi­on im Kreis Sie­gen-Witt­gen­stein mit klei­nen Antei­len im Hoch­sauer­land­kreis. Es ist prak­tisch deckungs­gleich mit dem ehe­ma­li­gen Kreis Witt­gen­stein, der inner­halb des neu­en Krei­ses Sie­gen-Witt­gen­stein in nur noch drei Gemein­den (Bad Ber­le­burg, Bad Laas­phe und Erndte­brück) zusam­men­ge­fasst wurde.

Kurzinfo vom Online-OFB

Die­ses Online-Orts­fa­mi­li­en­buch deckt im Wesent­li­chen das gan­ze Witt­gen­stei­ner Land ab. Der Ver­dienst, der zur Ent­ste­hung die­ses Online-Orts­fa­mi­li­en­buchs bei­getra­gen hat, ist eigent­lich aus­schließ­lich Dr. Jochen Karl Mehl­dau zuzu­pflich­ten, der die genea­lo­gi­schen Daten der frü­he­ren witt­gen­stei­ni­schen Bewoh­ner fast im Allein­gang aus den Kir­chen­bü­chern von Feu­din­gen und ande­ren Kir­chen­ge­mein­den Witt­gen­steins zusam­men­ge­tra­gen hat. Einen wei­te­ren, gebüh­ren­den Zuspruch erhält aber auch das Lan­des­ar­chiv NRW Abtei­lung Ost­west­fa­len-Lip­pe, die in fast zwei­jäh­ri­ger Bear­bei­tungs­zeit das genea­lo­gi­sche Werk von Dr. Jochen Karl Mehl­dau als frei ver­füg­ba­re Ged­com-Datei unter der Lizenz „CC BY-SA“ für die Öffent­lich­keit zur Ver­fü­gung stellten.

Dr. Jochen Karl Mehl­dau wur­de 1934 gebo­ren ist und stamm­te aus Kas­sel. Sei­ne Mut­ter stamm­te aus hin­ge­gen aus Erndte­brück. Sie ist gleich­zei­tig auch sein Bezug zum Witt­gen­stei­ner Land, wo er dort von 1944 bis 1953 leb­te. Herr Mehl­dau war stu­dier­ter Diplom-Inge­nieurs gewe­sen und übte jah­re­lang in Karls­ru­he den Beruf des Ver­mes­sungs­in­ge­nieurs aus. Nach wie vor lebt er mit sei­ner Frau in Karlsruhe.

Herr Mehl­dau hat­te sich inten­siv mit der Witt­gen­stei­ner Hei­mat- und Ahnen­ge­schich­te beschäf­tigt. Er schrieb über Witt­gen­stein und sei­ne Ort­schaf­ten zahl­rei­che Bei­trä­ge geschrie­ben, die über­wie­gend in der Zeit­schrift „Witt­gen­stein“ des Witt­gen­stei­ner Hei­mat­ver­eins erschie­nen sind. Dar­über hin­aus ver­fass­te er basie­rend auf sei­nen genea­lo­gi­schen For­schungs­ar­bei­ten eini­ge Bücher wie „Alte Laas­pher Fami­li­en und ihre Häu­ser. Haus-Chro­ni­ken ~ 1600 – 1875“ (2013) und „Haus- und Fami­li­en­chro­ni­ken Banfe­tal“ (2015).

Sei­ne wahr­schein­lich größ­te Errun­gen­schaft ist jedoch die so genann­te Witt­gen­stei­ner Fami­li­en­da­tei, in der er alle genea­lo­gi­schen Daten der frü­he­ren, witt­gen­stei­ni­schen Bewoh­ner zusam­men­ge­tra­gen hat.

Herr Mehl­dau recher­chier­te jahr­zehn­te­lang in sämt­li­chen Kir­chen­bü­chern des Alt­krei­ses Witt­gen­stein und notier­te alle Auf­zeich­nun­gen in den Tauf‑, Trau­ungs- und Ster­be­re­gis­tern nach eige­nen sche­ma­ti­schen Vor­ga­ben auf Kar­tei­kar­ten, die er für jede Fami­lie anleg­te. Er kam auf ins­ge­samt über 7000 Kar­tei­kar­ten. Die­se ent­hiel­ten genea­lo­gi­sche Daten zu fast 151.000 ver­stor­be­nen Per­so­nen aus dem Witt­gen­stei­ner Land. Dabei wur­de der Zeit­raum von 1525 bis 1875 abge­deckt. Das Jahr 1875 mar­kiert hier sinn­bild­lich die Wen­de von der Per­so­nen­füh­rung in den Kir­chen­bü­chern hin zu den Personenstandsbüchern.

Spä­ter ent­wi­ckel­te er eine for­mu­lar­ba­sier­te Daten­bank auf Grund­la­ge des Pro­gramms Micro­soft Access. Sei­ne Daten­bank aktua­li­sier­te er stän­dig und gab hier­aus bei Bedarf kos­ten­pflich­ti­ge Auskunft.

Im Jah­re 2018 über­gab Herr Mehl­dau sei­ne Daten­bank schließ­lich dem Lan­des­ar­chiv NRW, wo sie als „D 77 Mehl­dau Nr. 1“ archi­viert ist.

Das Ziel des Lan­des­ar­chivs NRW mit der Witt­gen­stei­ner Fami­li­en­da­tei war schnell klar gewe­sen: sie soll­te frei nutz­bar und über das Inter­net in einer moder­nen Form ver­füg­bar sein. Als Ergeb­nis wähl­te man das bekann­te Ged­com-For­mat. Zwi­schen der Umwand­lung der Access-Daten­bank und eine Ged­com-Datei dau­er­te es jedoch fast zwei Jah­re. Dabei gab es vie­le klei­ne­re Schrit­te und Hin­der­nis­se. So muss­ten bei­spiels­wei­se sämt­li­che Orts- und Datums­an­ga­ben in eine ein­heit­li­che Form gebracht wer­den, die bis­her nicht gege­ben war. Glei­ches betraf auch die unter­schied­li­chen Nota­tio­nen der Vor­na­men, die einer­seits aus sei­ner Kurz­form und ande­rer­seits aus einer Lang­form bestan­den. Eini­ge Infor­ma­ti­ons­fel­der, die kei­nem Ged­com-Tag ent­spra­chen, wur­den in den NOTE-Tag geschrie­ben, die für die übli­chen Noti­zen gedacht wird.

Herr Mehl­dau hat­te zudem die Eigen­heit gehabt, dass er vie­le genea­lo­gi­sche Infor­ma­tio­nen und Orts­na­men kryp­tisch abkürz­te. So steht z. B. die Abkür­zung „Tv“ für „Toch­ter von“, „ue“ für „unehe­lich“, „Laa“ für (Bad) Laas­phe, „Ebr“ für Erndte­brück oder „Hes“ für Hes­sel­bach. Die­se Infor­ma­tio­nen sind im Online-Orts­fa­mi­li­en­buch unter den Noti­zen abge­spei­chert, aber zugleich kor­rekt in den ent­spre­chen­den Ged­com-Tags assoziiert.

Für Unge­üb­te mögen die­se Abkür­zun­gen ver­wir­rend erschei­nen. Für die eigent­li­che Nut­zung des Online-Orts­fa­mi­li­en­buchs stel­len sie aber kein Hin­der­nis dar. Sie die­nen für den Ahnen­for­scher eher als Zusatz­in­for­ma­tio­nen. Frei­lich besteht aber sei­tens des Bear­bei­ters die Auf­ga­be, sol­che Abkür­zun­gen mit einem ent­spre­chen­den Text­stück als les­bar aufzulösen.

Das Lan­des­ar­chiv NRW hat für die Nut­zung fol­gen­de PDF-Doku­men­te bereit­ge­stellt, die von Ahnen­for­schern und ande­ren Inter­es­sier­ten vor­ab gele­sen wer­den sollten:

Screenshot des Online-OFB "Wittgensteiner Land" (Stand: 06.06.2021)
Screen­shot des Online-OFB „Witt­gen­stei­ner Land“ (Stand: 06.06.2021)

Geschichtliches

Das fol­gen­de Unter­ka­pi­tel ist ein Aus­zug aus dem zuge­hö­ri­gen Wiki­pe­dia-Arti­kel (sie­he Quel­len). Die­ser Aus­zug wur­de bei Bedarf für eine schnel­le­re Les­bar­keit unter Umstän­den etwas gekürzt und angepasst.

Wappen des Altkreises Wittgenstein
Wap­pen des Alt­krei­ses Witt­gen­stein; gemeinfrei

Die Besied­lung des Witt­gen­stei­ner Lan­des erfolg­te nach und nach, von Hes­sen aus­ge­hend, von Ost nach West, und zwar zunächst in den bei­den Haupt­tä­lern der Flüs­se Eder und Lahn, die die ein­zi­gen Pfor­ten in die Land­schaft bil­den. Bis zum Jahr 800 waren die Haupt­tä­ler bis zum Orts­teil Raum­land erschlos­sen. Danach folg­ten höhe­re Tei­le der Haupt­tä­ler, sowie die Neben­tä­ler. Erst um 1700 wur­den schließ­lich die höhe­ren Regio­nen besiedelt.

Im Bereich der heu­ti­gen Stadt Bad Ber­le­burg konn­ten Hei­mat­ar­chäo­lo­gen anhand von Gra­bungs­fun­den mehr als 150 Sied­lungs­stel­len einer ers­ten Besied­lung in der kel­ti­schen, also vor­christ­li­chen Zeit (ab etwa 700 v. Chr.) nach­wei­sen. Aus die­ser Zeit sind Wall­bur­gen bekannt, die von den Kel­ten auf stei­len Berg­kup­pen gebaut wor­den waren. Die Bur­gen lie­gen in der Nähe der heu­ti­gen Ort­schaf­ten Aue, Dotz­lar, Hes­sel­bach, Wem­lig­hau­sen und über Bad Laas­phe. Boden­fun­de, die auf eine früh­ge­schicht­li­che Besied­lung hin­deu­ten, exis­tie­ren fer­ner aus dem Bereich des Bad Laas­pher Orts­teils Banfe.

Ers­te urkund­li­che Erwäh­nun­gen der Ort­schaf­ten Laas­phe, Arfeld, Raum­land und Hes­sel­bach lie­gen aus den Jah­ren 800 und 802 n. Chr. vor. Damals war hier eine karo­lin­gi­sche Grenz­mark gegen die säch­si­schen Gebie­te im Nor­den ent­stan­den mit einer ver­gleichs­wei­se locke­ren Besied­lung. Im spä­ten 9. und frü­hen 10. Jahr­hun­dert gehör­te das Witt­gen­stei­ner Land zum frän­ki­schen Hes­sen­gau, einem Herr­schafts­raum des Geschlech­tes der Kon­ra­di­ner. Nach namen­kund­li­chen For­schun­gen setz­te die Haupt­be­sie­de­lung des Lan­des um etwa 900 ein, als unter den Kon­ra­di­nern von Hes­sen aus neue Höfe und Sied­lun­gen in den zuerst zugäng­li­chen Tal­la­gen ange­legt wur­den. Typisch ist für die­se Pha­se die Namens­en­dung auf ‑hau­sen (z. B. Diedens­hau­sen, Berns­hau­sen). In dem fol­gen­den Jahr­hun­dert wur­den auch die höhe­ren Lagen besie­delt, sodass um 1000 etwa zwei Drit­tel der heu­ti­gen Dör­fer als Wohn­or­te vor­han­den waren. Ab der Jahr­tau­send­wen­de wuchs wie über­all in Euro­pa die Bevöl­ke­rung in den fol­gen­den drei Jahr­hun­der­ten auf etwa das Drei­fa­che an. Dies führ­te zur Bil­dung regel­rech­ter Dör­fer mit bis zu 10 oder 20 Hof­s­tel­len an den älte­ren Sie­del­plät­zen und zu Rodun­gen und der Neu­an­la­ge eini­ger wei­te­rer Sied­lun­gen in rela­tiv ungüns­ti­gen Höhenlagen.

Der Name Witt­gen­stein (Widechin­stein) wur­de erst­mals im Jahr 1174 urkund­lich erwähnt, als sich Graf Wer­ner I. nach einer kurz zuvor über Laas­phe mit die­sem Namen ange­leg­ten Burg nannte.

Der Dia­lekt, der in Witt­gen­stein gespro­chen wird, wird als Witt­gen­stei­ner Platt bezeich­net und von den Sprach­for­schern zum hes­si­schen Sprach­raum gezählt.

Weiterführende Quellen

Für das Titel­bild wur­de ver­wen­det: Bad Laas­phe in Süd­witt­gen­stein, von Dbawwsnrw; gemein­frei

Michael de Radobýl

Ahnenforscher seit 2010, Nachwuchsförderer seit 2014, Projektgründer seit 2015, Relauchner seit 2019, nobilis arbiter honorarius medium seit 2020.Die Spuren meiner Ahnen lassen sich über verschiedene Gebiete in Ost- und Westeuropa zurückverfolgen. Mütterlicherseits habe ich Vorfahren aus Sachsen, Hessen, Wittgenstein, Preußen, durch Zuwanderer aus der Schweiz und Südtirol, sowie aus dem Adel bis ins frühe 6. Jahrhundert in verschiedene Teilen Westeuropas. Väterlicherseits kommen meine Vorfahren aus Sachsen, Brandenburg und durch erste Hinweise auch aus Böhmen und dem sorbischen Bereich. Viele Ahnenzweige väterlicherseits sind allerdings noch unerforscht.

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