„Familienbuch Kleinsanktpeter 1843 – 2020“ im AVBF veröffentlicht

Cover des Ortsfamilienbuchs zu Kleinsanktpeter
Cover des Ortsfamilienbuchs zu Kleinsanktpeter

Die Goog­le-Group Banat­Books ver­mel­de­te, dass das „Fami­li­en­buch der katho­li­schen Pfarr­ge­mein­de Klein­sanktpe­ter im Banat und ihrer Filia­le Ket­fel – Klein­sie­del 1843 – 2020“ von der Arbeits­ge­mein­schaft für Ver­öf­fent­li­chung Bana­ter Fami­li­en­bü­cher (AVBF) vor kur­zem ver­öf­fent­licht wurde.

Geografische Lage

Lage von Kleinsanktpeter
Lage von Kleinsanktpeter

Klein­sanktpe­ter (PLZ: 307457; unga­risch: Kiss­zent­pé­ter, rumä­nisch: Sân­pe­tru Mic) ist ein Ort im Kreis Timiș, im rumä­ni­schen Banat. Von den Bewoh­nern der Regi­on wird bis heu­te über­wie­gend der ursprüng­li­che Name Toti­na ver­wen­det. Toti­na lei­tet sich vom his­to­ri­schen Orts­na­men Toti ab – einer spät­mit­tel­al­ter­li­chen Orts­be­zeich­nung, wel­che aus der ursprüng­li­chen unga­ri­schen Bezeich­nung für Slo­wa­ken oder Sla­wen ent­stan­den ist und auf die slo­wa­ki­schen Grün­der des Ortes verweist.

Sân­pe­tru Mic liegt am Ran­de der Bana­ter Hei­de, 35 km nörd­lich von Timișoa­ra. Benach­bar­te Ort­schaf­ten sind das unga­ri­sche Dorf Mai­lat im Osten, Gelu (Ket­fel) mit dem ein­ge­mein­de­ten Colo­nia Mică (Klein­sie­del) im Süden, Variaș (War­jasch) im Wes­ten, Satu Mare (Groß­dorf) im Nord­wes­ten, das rumä­ni­sche Dorf Secu­si­giu im Nor­den und Sân­pe­tru Ger­man (Deutschsanktpe­ter) im Nordosten.

Informationen zum Ortsfamilienbuch

Ver­fasst wur­de das „Fami­li­en­buch der katho­li­schen Pfarr­ge­mein­de Klein­sanktpe­ter im Banat und ihrer Filia­le Ket­fel – Klein­sie­del 1843 – 2020“ von Diet­mar Giel aus Karls­ru­he und in der Arbeits­ge­mein­schaft für Ver­öf­fent­li­chung Bana­ter Fami­li­en­bü­cher (AVBF) ver­öf­fent­licht.

Das Orts­fa­mi­li­en­buch als Hard­co­ver umfasst ca. 700 Sei­ten im DIN-A5-For­mat mit einer Faden­bin­dung und einem Lese­zei­chen­band. Der Preis des Buches beträgt 45 EUR zuzüg­lich Ver­sand­kos­ten. Über die Anzahl der ein­ge­tra­ge­nen Per­so­nen- und Fami­li­en­an­zahl wur­de gegen­wär­tig noch nichts mit­ge­teilt. Das Orts­fa­mi­li­en­buch kann über fol­gen­de Per­son bezo­gen werden:

Josef Michels
Spit­tel­berg­stras­se 11
78112 St. Georgen

Tele­fon: 07224/​7122
E‑Mail: avbf [at] gmx [dot] de

Geschichtliches

Das fol­gen­de Unter­ka­pi­tel ist ein Aus­zug aus dem zuge­hö­ri­gen Wiki­pe­dia-Arti­kel (sie­he Quel­len). Die­ser Aus­zug wur­de bei Bedarf für eine schnel­le­re Les­bar­keit unter Umstän­den etwas gekürzt und angepasst.

Um das Jahr 1250 wur­de der Ort als Toti von slo­wa­ki­schen Sied­lern gegrün­det und zwi­schen 1333 und 1656 unter die­sem Namen auch in den vati­ka­ni­schen Zehent­lis­ten geführt. Eine Besie­de­lung ist für den Zeit­raum danach nicht nach­weis­bar. 1843 wur­de der ver­wais­te Ort als Tabaks­ko­lo­nie durch 36 Sied­ler­fa­mi­li­en, Bana­ter Schwa­ben aus Deutschsanktpe­ter, neu gegrün­det und bekam den Namen Klein­sanktpe­ter. Die Neu­sied­ler schlos­sen einen Pacht­ver­trag mit dem unga­ri­schen Staat ab, zu dem das Banat damals noch gehör­te. Der Tabak­an­bau domi­nier­te fort­an die Land­wirt­schaft des Ortes. Nach Aus­lau­fen des Pacht­ver­tra­ges 1863 ging der Grund in den Besitz der „Süd­un­ga­ri­schen Par­zel­lie­rungs­bank“ über. Die Päch­ter wur­den Eigen­tü­mer ihres hal­ben Grun­des und muss­ten eine Ablö­se zah­len. Die Bedin­gun­gen der Pacht­ver­trä­ge stürz­ten vie­le Fami­li­en in gro­ße finan­zi­el­le Schwie­rig­kei­ten. Nur weni­ge kamen zu Wohlstand.

Durch sei­ne Lage abseits der Haupt­ver­kehrs­ach­sen und sei­ne schlech­te Anbin­dung an das Ver­kehrs­netz blieb der Ort klein und rela­tiv arm. Die Bewoh­ner wech­sel­ten häu­fig. 1873 und 1878 dünn­ten Schar­lach- und Cho­le­ra­epi­de­mien die Bevöl­ke­rung aus. 1885 wan­der­ten eini­ge Fami­li­en nach Über­see aus. Die 1907 gebau­te Eisen­bahn­li­nie Temes­vár-War­jasch-Sze­ged der Unga­ri­schen Staats­bah­nen wur­de 3 Kilo­me­ter am Dorf vor­bei­ge­führt, obwohl die Bewoh­ner 3000 Gul­den zum Bau bei­steu­er­ten. Trotz alle­dem ent­wi­ckel­te der Ort im 20. Jahr­hun­dert einen beschei­de­nen Wohl­stand und ein reges Kul­tur- und Ver­eins­le­ben. Es gab eine Volks­schu­le und meh­re­re Ver­ei­ne, dar­un­ter einen Musik- und Gesangs­ver­ein, eine Fuß­ball- und eine in den 1950er Jah­ren im gesam­ten Banat sehr erfolg­rei­che Handballmannschaft.

1920 kam der Ort infol­ge des Ver­tra­ges von Tria­non, wie zwei Drit­tel des Banats, zum König­reich Rumä­ni­en. Zwi­schen 1920 und 1927 ver­brach­ten meh­re­re hun­dert Arbei­ter­kin­der aus Wien ihre Som­mer­fe­ri­en im Ort. In den 1930er Jah­ren ver­lie­ßen infol­ge der Wirt­schafts­kri­se wei­te­re Fami­li­en das Dorf, um ihr Glück in Ame­ri­ka zu suchen.

Infol­ge des Waf­fen-SS-Abkom­mens vom 12. Mai 1943 zwi­schen der Anto­nes­cu-Regie­rung und Hit­ler-Deutsch­land wur­den alle deutsch­stäm­mi­gen wehr­pflich­ti­gen Män­ner in die deut­sche Armee ein­ge­zo­gen. Noch vor Kriegs­en­de, im Janu­ar 1945, fand die Depor­ta­ti­on aller volks­deut­schen Frau­en zwi­schen 18 und 30 Jah­ren und Män­ner im Alter von 16 bis 45 Jah­ren zur Auf­bau­ar­beit in die Sowjet­uni­on statt.

Das Boden­re­form­ge­setz vom 23. März 1945, das die Ent­eig­nung der deut­schen Bau­ern in Rumä­ni­en vor­sah, ent­zog der länd­li­chen Bevöl­ke­rung die Lebens­grund­la­ge. Der ent­eig­ne­te Boden wur­de an Klein­bau­ern, Land­ar­bei­ter und Kolo­nis­ten aus ande­ren Lan­des­tei­len ver­teilt. Anfang der 1950er Jah­re wur­de die Kol­lek­ti­vie­rung der Land­wirt­schaft ein­ge­lei­tet. Durch das Natio­na­li­sie­rungs­ge­setz vom 11. Juni 1948, das die Ver­staat­li­chung aller Indus­trie- und Han­dels­be­trie­be, Ban­ken und Ver­si­che­run­gen vor­sah, fand die Ent­eig­nung aller Wirt­schafts­be­trie­be unab­hän­gig von der eth­ni­schen Zuge­hö­rig­keit statt.

Da die Bevöl­ke­rung ent­lang der rumä­nisch-jugo­sla­wi­schen Gren­ze von der rumä­ni­schen Staats­füh­rung nach dem Zer­würf­nis Sta­lins mit Tito und des­sen Aus­schluss aus dem Kom­in­form-Bünd­nis als Sicher­heits­ri­si­ko ein­ge­stuft wur­de, erfolg­te am 18. Juni 1951 die Depor­ta­ti­on „von poli­tisch unzu­ver­läss­li­chen Ele­men­ten“ in die Bără­gan-Step­pe unab­hän­gig von der eth­ni­schen Zuge­hö­rig­keit. Die rumä­ni­sche Füh­rung bezweck­te zugleich, den ein­set­zen­den Wider­stand gegen die bevor­ste­hen­de Kol­lek­ti­vie­rung der Land­wirt­schaft zu bre­chen. Als die Bără­gan­ver­schlepp­ten 1956 heim­kehr­ten, erhiel­ten sie die 1945 ent­eig­ne­ten Häu­ser und Höfe zurück­er­stat­tet. Der Feld­be­sitz wur­de jedoch kollektiviert.

Das Orts­bild blieb über vie­le Jahr­zehn­te unver­än­dert und wird bis heu­te von den regio­nal­ty­pisch brei­ten Gas­sen und lang­ge­streck­ten Bau­ern­häu­sern geprägt. 1914 wur­de die neue katho­li­sche Kir­che geweiht, die das an sel­ber Stel­le vor­han­de­ne alte und beschei­de­ne Bet­haus ersetz­te. Eine Grund­schu­le, ein Wirts­haus, ein Kauf­manns­la­den, ein Bar­bier und spä­ter ein Kin­der­gar­ten run­de­ten das Orts­bild ab. In den 1950er Jah­ren wur­de am Orts­rand eine LPG erbaut. In der Orts­mit­te wur­de mit dem Neu­bau eines Gebäu­de­kom­ple­xes mit Gemischt­wa­ren­la­den und Wirts­haus (das soge­nann­te „Buf­et“) samt Bier­gar­ten und Kegel­bahn ein neu­er Mit­tel­punkt geschaf­fen. Die wohl wich­tigs­te Infra­struk­tur­maß­nah­me der Nach­kriegs­zeit bil­de­te der in den 1960er Jah­ren von den Bewoh­nern des Dor­fes in Eigen­leis­tung erbau­te schma­le Fuß- und Rad­weg aus Beton­plat­ten, der par­al­lel zur unbe­fes­tig­ten und damit wet­ter­an­fäl­li­gen Stra­ße zum 3 km ent­fern­ten Bahn­hof von Gelu (Ket­fel) führ­te, heu­te aber nicht mehr erhal­ten ist.

Zuletzt fiel Klein­sanktpe­ter den Stra­ßen­bau­ern auf, die die Haupt­stra­ße im Dorf befes­tig­ten. Sie tauf­ten es in Sin City um – als Wort­spiel mit dem rumä­ni­schen Orts­na­men Sînpetru Mic. Die­ser Schrift­zug auf dem Orts­schild ist eini­gen Fil­me­ma­chern auf­ge­fal­len; so kam das Dorf noch zu uner­war­te­ter Bekannt­heit. Ein Film zeigt die Armut der Men­schen und das Elend in dem einst­mals schö­nen Dorf.

Weiterführende Quellen

Für das Titel­bild wur­de ver­wen­det: Cover des Orts­fa­mi­li­en­buchs zu Kleinsanktpeter

Michael de Radobýl

Ahnenforscher seit 2010, Nachwuchsförderer seit 2014, Projektgründer seit 2015, Relauchner seit 2019, nobilis arbiter honorarius medium seit 2020.Die Spuren meiner Ahnen lassen sich über verschiedene Gebiete in Ost- und Westeuropa zurückverfolgen. Mütterlicherseits habe ich Vorfahren aus Sachsen, Hessen, Wittgenstein, Preußen, durch Zuwanderer aus der Schweiz und Südtirol, sowie aus dem Adel bis ins frühe 6. Jahrhundert in verschiedene Teilen Westeuropas. Väterlicherseits kommen meine Vorfahren aus Sachsen, Brandenburg und durch erste Hinweise auch aus Böhmen und dem sorbischen Bereich. Viele Ahnenzweige väterlicherseits sind allerdings noch unerforscht.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: