Neue Abschriften von Personenstandsunterlagen zu Pritter (Kr. Usedom-Wollin)

Kirche von Pritter
Kirche von Pritter, von Biały111; CC BY 3.0

Die Arbeits­grup­pe „Fami­li­en­ge­schich­te Vor­pom­mern“ des „Pom­mer­scher Greif e. V.“ hat ein paar neue Abschrif­ten aus den Per­so­nen­stands­un­ter­la­gen des frü­he­ren Stan­des­amts Prit­ter im Kreis Use­dom-Wol­lin für die Öffent­lich­keit unein­ge­schränkt ver­füg­bar gemacht.

Prit­ter (pol­nisch: Przy­tór; PLZ: 72 – 605) ist ein Stadt­teil von Swi­ne­mün­de (ponisch: Świn­ou­jście) in der pol­ni­schen Woi­wod­schaft West­pom­mern. Prit­ter liegt auf der gleich­na­mi­gen Halb­in­sel im Wes­ten der Insel Wolin süd­lich der Land­stra­ßen DK 93 und DK 3. Süd­lich des Dor­fes ver­läuft die Sta­ra Świ­na (deutsch: Alte Swi­ne) und öst­lich liegt der Jezio­ro Wicko Wie­l­kie (deutsch: Gro­ßer Viet­zi­ger See). Der Ort hat unge­fähr 800 Ein­woh­ner.

Die­ser Blog berich­tet eigent­lich über Neu­ig­kei­ten im Bezug auf Orts­fa­mi­li­en­bü­cher. Jedoch gibt es auch Fäl­le, die an der Erar­bei­tung eines Orts­fa­mi­li­en­buch ange­lehnt sind und daher auch beach­tet wer­den soll­ten. Die­ser Arti­kel, der hier gele­sen wird, ist einer die­ser beson­de­ren Fäl­le, der eine Beach­tung fin­det. Schließ­lich bil­den Per­so­nen­stands­un­ter­la­gen einen wich­ti­ge Quel­le für Orts­fa­mi­li­en­bü­cher.

Der ein­ge­tra­ge­ne Ver­ein „Pom­mer­scher Greif“ ver­fügt über eini­ge For­schungs­grup­pen, die jeweils ein regio­na­les Gebiet erfor­schen, die frü­her in Besitz des Deut­schen Reichs, von Preu­ßen usw. waren. Eine For­scher­grup­pe heißt „Fami­li­en­ge­schich­te Vor­pom­mern“. Die­se For­scher­grup­pe exis­tiert seit 2019 und ging aus dem Zusam­men­schluss der ehe­ma­li­gen Arbeits­grup­pen „Anklam-Uecker­mün­de“, die seit Ende 2009 bestand, und der im Jahr 2001 gegrün­de­ten Arbeits­grup­pe „Use­dom“ her­vor. Die For­scher­grup­pe stellt ihre Erkennt­nis­se und For­schungs­un­ter­la­gen auf einer eige­nen Web­sei­te zur Ver­fü­gung. Tech­nisch gese­hen wird die Web­sei­te mit dem Con­tao-CMS ver­wal­tet.

Das For­schungs­mit­glied Bri­git­te Max hat nun meh­re­re Abschrif­ten aus den Per­so­nen­stands­un­ter­la­gen des frü­he­ren Stan­des­amts zu Prit­ter im Kreis Use­dom-Wol­lin gemacht. Kon­kret sind fol­gen­de Abschrif­ten hin­zu­ge­kom­men:

Die Abschrif­ten sind als Excel-Tabel­len­do­ku­men­te ver­linkt und ste­hen ohne Ein­schrän­kun­gen für jeder­mann zur Ver­fü­gung. Das bedeu­tet, dass die Excel-Tabel­len­do­ku­men­te kön­nen down­gel­oa­det wer­den und je nach Bedarf in eige­ne, per­sön­li­che For­schun­gen indi­vi­du­ell integriert/​verwendet wer­den kön­nen.

Geschichtliches (Auszug aus Wikipedia)

Prit­ter wur­de 1339 in einer Urkun­de der Her­zö­ge Bogis­law V.Bar­nim V. und War­tis­law V. von Pom­mern-Wol­gast erwähnt. Wahr­schein­lich befand sich hier zu die­ser Zeit ein so genann­tes Fes­tes Haus, von dem aus die Her­zö­ge ihre Zoll­an­sprü­che auf der Swi­ne sicher­ten. Wäh­rend der Lan­des­tei­lung 1372 ver­blieb Prit­ter beim Wol­gas­ter Teil. In der ers­ten Hälf­te des 15. Jahr­hun­derts hat­te Sophia (1375 – 1450), Toch­ter Her­zog Hein­richs des Eiser­nen von Hol­stein, ihren Wit­wen­sitz zu Case­burg und Prit­ter. Anschlie­ßend resi­dier­te Her­zog Erich II. in Prit­ter bis 1458 Stet­ti­ner Bür­ger, wahr­schein­lich wegen des hier erho­be­nen Zolls, den Her­zogs­sitz sowie des­sen Hof in Ost­s­wi­ne zer­stör­ten.

Prit­ter war ein Amts­dorf, in dem unter ande­rem ein her­zog­li­cher Holz­vogt und ein Fisch­kie­per ihren Sitz hat­ten. Letz­te­rer führ­te die Auf­sicht über die Fische­rei im Stet­ti­ner Haff und nahm die damit ver­bun­de­nen Abga­ben und auch den Zoll auf der Swi­ne ein. Nach der Ein­füh­rung der Refor­ma­ti­on in Pom­mern und der Säku­la­ri­sa­ti­on gehör­te der Ort zum Amt Wol­lin. Die Fische­rei war die Haupt­ein­kom­mens­quel­le der Bevöl­ke­rung. Land­wirt­schaft­lich wur­de vor allem Vieh­zucht betrie­ben.

Wäh­rend des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges wur­de Prit­ter von den kai­ser­li­chen Trup­pen weit­ge­hend ver­wüs­tet. Nach dem Aus­ster­ben des Grei­fen­hau­ses 1637 kam der Ort mit dem Amt Wol­lin an den schwe­di­schen Gene­ral­gou­ver­neur Johan Banér, des­sen Erben den Besitz 1648 an die schwe­di­sche Kro­ne abtra­ten.Bahn­hofs­ge­bäu­de

Wäh­rend des Gro­ßen Nor­di­schen Krie­ges kamen die Inseln Wolin und Use­dom an Preu­ßen. Mit dem Aus­bau des See­ha­fens Swi­ne­mün­de in der Mit­te und beson­ders in der zwei­ten Hälf­te des 18. Jahr­hun­derts wur­den Büd­ner und Ein­lie­ger in Prit­ter ange­sie­delt, die vor allem im Forst und im Swi­ne­mün­der Hafen Arbeit fan­den. Im 19. Jahr­hun­dert wur­de Prit­ter zur bevöl­ke­rungs­reichs­ten länd­li­chen Ort­schaft auf Wol­lin. Die Bevöl­ke­rung stieg bis 1939 auf 1345 Ein­woh­ner an.

Wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges wur­de im Ort die Flug­ab­wehr­stel­lung „Prit­ter“ erbaut. Sie dien­te der Luft­ver­tei­di­gung von Swi­ne­mün­de. Das außer­ge­wöhn­li­che der Anla­ge war: Die Bun­ker erhiel­ten die Form eines Wohn­hau­ses und eines Schup­pens zur Tar­nung. Heu­te ist die voll­stän­dig erhal­te­ne Stel­lung ein klei­nes Muse­um der Zeit­ge­schich­te.

Nach dem Zwei­ten Welt­krieg kam Prit­ter an Polen und erhielt den Namen Przy­tór.

Für das Titel­bild wur­de ver­wen­det: Kir­che von Prit­ter, von Biały111; CC BY 3.0

Michael de Radobýl

Ahnenforscher seit 2010, Nachwuchsförderer seit 2014, Projektgründer seit 2015, Relauchner seit 2019, nobilis arbiter honorarius medium seit 2020.Die Spuren meiner Ahnen lassen sich über verschiedene Gebiete in Ost- und Westeuropa zurückverfolgen. Mütterlicherseits habe ich Vorfahren aus Sachsen, Hessen, Wittgenstein, Preußen, durch Zuwanderer aus der Schweiz und Südtirol, sowie aus dem Adel bis ins frühe 6. Jahrhundert in verschiedene Teilen Westeuropas. Väterlicherseits kommen meine Vorfahren aus Sachsen, Brandenburg und durch erste Hinweise auch aus Böhmen und dem sorbischen Bereich. Viele Ahnenzweige väterlicherseits sind allerdings noch unerforscht.

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